Die EinSatzLeitung schreibt mit Gästen ein Buch. Pro Tag darf jede Person einen Satz einsetzen, die EinSätze werden fortlaufend numeriert. Auf der B-Ebene gibt es längere narrative Stücke. Die EinSatzKräfte und ihre Texte sind sämtlich rein fiktiv und frei erfunden. Alle Rechte bei der Autorin.
Samstag, 28. März 2009
653.
"Erfreue dich an der Schönheit deines Wärters," las der Kwaliteitswart von dem Bogen, den die Kreativleitung ihm hinreichte, weil darauf stand, was Mo als nächste B-Ebene produziert hatte und was zu verwenden die Kreativleitung mit Rücksicht auf die gegenwärtigen Verhandlungssituationen und gewisse Signale seitens der Chefin so lange gezögert hatte, daß Mo wieder in tiefsten Schlaf versunken war, "bewundere die Kraft seiner Hände, wenn er wieder einmal vor deinen Augen die Käfigtüre verschließt, genieße den Wohlklang seiner Stimme, wenn er wieder einmal bellt, du bist meine Gefangene, und ich lasse dich niemals frei; verehre die Empfindsamkeit seiner Seele, wenn er weint, weil du ihm die Verehrung verweigerst, und fühle dich geschmeichelt, wenn er dir sagt, er werde bald eine neue Gefangene brauchen, weil du seinen Ansprüchen nicht mehr genügen kannst; vergiss deinen Wunsch nach Freiheit und Glück, lass dir genügen daran, daß dein Herr und Wärter sie genießt," da hörte der Kwaliteitswart auf zu lesen und fragte, geht das die ganze Zeit so weiter, und die Kreativleitung sah ihn an und sagte, ja, so geht das die ganze weiter.
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
8 Kommentare:
Ich habe es auch gelesen, es gibt ein paar Pointen, insbesondere am Schluß.
Aber sie sind von der Art, die erst recht von den Oberstrategen für gefährlich gehalten wird.
Man könnte sich tatsächlich mit Zitationen begnügen und behelfen, da ist man allenfalls für die Auswahl verantwortlich.
Es gäbe jedenfalls reichlich literarischen Vorrat, aus dem man zitieren könnte.
Jeden Tag ein Zitat, da kommt man nie zum Schluß.
Was passiert eigentlich wirklich, wenn man einige der Pointen, etwa die Stelle, an der der Wärter die von Mo beschriebene Gefangene an Händen und Füßen gefesselt hält und sie anschreit, sie soll jetzt endlich mal von sich aus aktiv und initiativ sein, so auch einfach veröffentlicht, was fürchtet die Chefin?
Die Menschen suchen zwar nach Gelegenheiten, ihre Blasen zum Platzen zu bringen, weil sie ahnen, daß es hinsichtlich so mancher Blase das Beste wäre, aber denjenigen, der es tut, den mögen sie nun nicht, um es vorsichtig auszudrücken.
Etwas mehr Optimismus würde man sich jetzt schon wünschen, finden Sie nicht?
Kommentar veröffentlichen