Dienstag, 30. Juni 2009

748.

Karomütze, nachdem er am Morgen wieder einmal noch im Pyjama die möglichen Tätigkeiten und Tätlichkeiten der fremden Geheimdienste systematisiert und sich selbst in ungeschickter Position vermutet hatte, zerdrückte im Verlassen der Naßzelle seiner Wohnung eine Motte an der Wand (sie kommen in immer neuen Arten in diesen Jahren und sind doch nicht nur den Straßenbäumen, sondern auch der häuslichen Globensammlung gefährlich, murmelte er), entfernte den staubmatschig dunklen Fleck von den weißen Fliesen (dummerweise hatte das Vieh auf einer der Fugen gesessen, die kriegt man nicht so leicht sauber, grollte er) und entschied, als er im Spiegel seines Kleiderschrankes in sein frischrasiertes Gesicht schaute, nun endlich einmal seiner alten Lieblingskollegin, der allgemeinsten Verteidigung, den Anstandsbesuch zur Besichtigung des Nachwuchses abzustatten, besonders toll ist sowas ja eigentlich nicht, dachte er, aber sie war früher immer nett zu mir auf den Korridoren, und Freundschaftsausfälle wird sie schon genug haben, wie alle Leute mit kleinen Kindern, das wußte er von Besuchen bei seiner Schwester.

Montag, 29. Juni 2009

747.

Draußen in den Ländern sterben Menschen, sagte die Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse, als sie im Büro des Demokratiebeauftragten diesen in ein lebhaftes Gespräch mit dem klitzekleinen Forschungsminister vertieft fand, und ihr debattiert darüber, ob man wirklich „für etwas sterben“ könne, was denkt ihr euch dabei?

Sonntag, 28. Juni 2009

746.

Ein Sohn also, dachte man im Hause der Leitung Öffentlichkeit, wenn man dachte, aber meistens tat man nur etwas Ungewohntes, oder schlief, wenn es denn der kleine Herr Sohn erlaubte, meine Freundin sagt, Jungen sind immer pflegeleicht, sagte die Leitung Öffentlichkeit zu ihrer Mutter, aber dieser wacht ganz schön oft auf nachts.

Samstag, 27. Juni 2009

745.

Auf die Suche nach Weit- und Überblick machte sich am Wochenende die neu zusammengesetzte Kreativabteilung, denn es war doch nicht schön, sich vom erzählenden Kranich sagen zu lassen, daß man es daran fehlen lasse, und Mo hätte sich am liebsten auf dem Autodach einen Hochsitz gebaut, um überall hin schauen zu können, Fernrohr braucht das Mo nicht, seine Lemurenaugen kommen, einmal auf dem richtigen Posten installiert, immer weiter als die der anderen, das muß reichen, sagte sich Mo, aber es wäre eben lieber auf einem Hochsitz auf dem Autodach gesessen, darauf mußte es schon einmal bestehen, zumal die Gerste um diese Jahreszeit bereits enttäusche, so daß man wenigstens Klatschmohn und Kornblumen in verblühtem Raps doch besser von weit oben bewundern müsse, auch könne man da oben den Wonnen der Gewöhnlichkeit einer kleinen Politisiererei im Auto entgehen, Wonnen der Gewöhnlichkeit, schnaubte Dame Ö mit gehobener Braue, gegen Wonnen habe sie nie etwas gehabt, es fehle ihr nur an der für ihren Geschmack etwas zu weit verbreiteten Fähigkeit, diese ausgerechnet mit dem Gewöhnlichen zu verbinden.

Freitag, 26. Juni 2009

744.

Manchmal haben sogar Buchhalter prophetische Gaben, sagte eine erstaunlich echauffierte Dame Ö am Freitagmorgen, das Kind der Leitung Öffentlichkeit kam letzte Nacht zur Welt, alle gesund und munter, und niiiiedlich, der Kleine, ojemine, wer hat bloß diese Tante eingestellt, maulte der Oberassistent, aber irgendwie freute es ihn schon auch, und der Buchhalter erinnerte sich, daß er eigentlich mal die Idee hatte, selbst evtl. der Vater dieses Kindes zu werden, oder war das eher ihre Idee gewesen, jedenfalls war ihm plötzlich doch unangenehmer als er geglaubt hatte, zu bemerken, daß er es nun nicht war, wie nie gewesen, das geht doch nicht, dachte er.

Donnerstag, 25. Juni 2009

743.

Es gibt immer so viele Fragen, zu denen ihr gar nichts sagt, sagte die Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse zu den anderen EinSatzKräften, als diese nach einem langen Tag immer noch keinen EinSatz zustandegebracht hatten, ist euch die Welt langweilig geworden oder wie, aber die Chefin sagte, es habe zu tun mit der großen Spannung, in der man diverse Ereignisse beobachte, da sei der Iran, da sei die Verhaftung des chinesischen Dissidenten, und dann noch ein paar die Kreativabteilung unmittelbar betreffende Angelegenheiten, man werde aber die Mahnung der Minderheitlerin selbst einsetzen, ob das zu ihrer Zufriedenheit beitrage?

Mittwoch, 24. Juni 2009

742.

Es stand nun etxra dran, an der Tür der EinSatzLeitung, daß heute Pause sei und Gedenken an die Opfer, aber der Hampudel ließ sich davon nicht abhalten, sei es, daß er gar nicht lesen konnte und deswegen Hampudel geworden war, sei es, daß er einfach fand, es müsse ihm doch jemand die Hand verbinden, wenn er sich verletzt hatte, und wer, wenn nicht die Dame mit der Braue, die er des öfteren in dieser Tür hatte verschwinden sehen, und so klingelte er "Sturm" und erhielts auch.

Dienstag, 23. Juni 2009

741.

Am 23. Juni 1915 fertigte Guillaume Apollinaire eine eigentümliche Zeichnung an, auf der ein Falke sich den Namen Aquilan de Mayogre beilegt oder so, schnarrte der klitzekleine Forschungsminister aus dem Blumentopf, als Dame Ö fragte, ob es irgendetwas Neues gebe womöglich, aber er kam damit nicht so gut an, etwas NEUES habe sie wissen wollen, sagte die Dame Ö.

Montag, 22. Juni 2009

740.B

Ein Brachvogel trug im Schnabel einen Ausriß aus einem Buch mit Fabeln von Martin Luther. Er legte den Zettel dem Oberassistenten vor die Füße und ersuchte, schnarrend in äußerstem Ernst, den falschen Messianismus des amerikanischen Präsidenten mithilfe dieser Fabel in einen richtigen zu überführen und dem Internet-Video über die erschlagene Fliege endlich einen tieferen Sinn zu geben. Der Oberassistent, der den Zettel stirnrunzelnd und mit herabgezogenen Mundwinkeln angenommen hatte und die Sache nun der Kreativleitung vorlegte, war nicht sicher, alles richtig auszusprechen, aber er las es mal, wobei sein Doppelkinn wackelte:
„Die Fliegen sind des Teufels und der Ketzer Bild. Doctor Luther sprach einmal: ‚Ich bin den Fliegen darüm feind und gram quia sunt imago Diaboli et haereticorum. Denn wenn man ein schön Buch aufthut, bald so fleuget die Fliege drauf und läuft mit dem Ars herüm, als sollt sie sagen: Hie sitze ich, und alhier soll ich meinen Balsam oder meinen Dreck her schmieren. Also thut der Teufel auch; wenn die Herzen am reinesten sein, so kömmt er und scheißt drein. Wenn ich am allerlustigsten und geschicktesten zum Beten bin, da komm ich etwa mit meinen Gedanken gen Babylonien oder baue sonst ein Schloß oder Häuser.’

740.

Selten ist mir so klar geworden was man mit dem Wort "Rückzugsgefecht" meint wie angehörs der Äußerungen des Wächterrats in Teheran, sagte der Demokratiebeauftragte zu dem Kollegen Karomütze, als die beiden im "Bistro" am Kaffeeautomaten standen, man rudert schon ein wenig zurück, 3 Millionen Stimmen, tatsächlich, tatsächlich, aber nach vorne haut man nochmal kräftig drauf, und die Leute rufen es dennoch jede Nacht von den Dächern, ich stelle mir vor, die Gefangenen wispern es den Wärtern in die Ohren, hört ihr, was auf den Straßen vor sich geht, und immer mal wieder weint einer, weil so viele so umsonst gestorben sind seit so langer Zeit und weil die Stellen schmerzen, an denen mißhandelt worden ist, und dennoch ist da plötzlich eine Hoffnung...aber Karomütze guckte ihn nur ein wenig kariert an und dachte, wo, verdammt, wo habe ich doch neulich eine karierte Mütze auf bekanntem Schädel gesehen, ich weiß genau, ich habe noch gedacht, du mußt das mal, und laut sagte er, ja, das ist schon eine überraschende Entwicklung da unten, und es passte ihm nicht, daß der Demokratiebeauftragte dazu resigniert lächelte, ohne im mindesten in seiner hoffnungsvollen Stimmung gestört zu sein.

Sonntag, 21. Juni 2009

739.

Komische Vorstellungen von Kunst, nörgelte der naseweise Sinologe, während er den klitzekleinen Forschungsminister für einen der üblichen Sonntagsausflüge in den gelben Einkaufswagen hob, es ist ja nicht so, fügte er hinzu, daß dem Sineser in seiner herrschaftsorientierten Kunst nicht auch durchaus bizarre Gesten Farben und Figuren zur Verfügung stünden, o nein, im Gegenteil, da wäre doch der Liebermann lächerlich in seinen blassen Farben, aber daß man ausgerechnet den Trotz eines kleinen Mädchens zum wichtigsten Bestandteil eines im übrigen doch ganz ordentlichen Bildes erklärt, daß man überhaupt der Gattin dieses ehemaligen Chefs eine solche Autorität einräumt - o, verzeihen Sie, ich habe Sie wohl etwas unsanft ins Körbchen gesetzt - und dann paßt es doch auch gar nicht, Mo ist doch ein altes Geschrumpfe, kein kleines Mädchen, also was sagen Sie denn dazu, und der klitzekleine Forschungsminister räusperte sich vielsagend.

Samstag, 20. Juni 2009

738.B

Die Gattin des ehemaligen Chefs griff zu einer ungewöhnlichen Maßnahme und mit einem kleinen Hinweis in die aus dem Ruder laufende Diskussion ein: "In der Liebermann-Villa hängt ein Bild, das lustwandelnde Menschenmengen in einer Papageienallee zeigt. Ganz vorne rechts sitzt ein kleines hellgekleidetes Mädchen auf einer Bank und betrachtet mürrisch seine Schuhspitzen. Die Schwanzfedern eines überwiegend weißen Kakadus trennen seinen Kopf von dem eines schnurrbärtigen Vaters oder Großvaters. Das Kind sieht maulig aus. Ohne es wäre das Bild die leblose Darstellung der Verwirklichung oder 'Umsetzung' eines Planes."

Freitag, 19. Juni 2009

738.

Alle wollen Mo wohl, aber es, aber es

737.

Der Komplexitätswart fühlte sich in letzter Zeit unterfordert und vernachlässigt und hatte sich dazu durchgerungen, sich bei den diversen von ihm beratenen Institutionen wieder einmal zu Worte zu melden, jeweils mit ausgesuchten Attacken, und so steuerte er an diesem Tag gezielt auf Karomütze los mit der Frage: wie genau müßten Sie eigentlich über einen Menschen bescheid wissen, um dann die Kontrollen wieder aufzugeben und sich mit dem zu begnügen, was er von sich aus mitzuteilen bereit ist, wie enttäuscht wären Sie eigentlich, wenn Sie in seinen Herzkammern und hinter seinen verschlossenen Türen noch ein Zörnchen und ein Mißtrauen fänden, und wie ernsthaft wäre eigentlich Ihr Versuch, ihm just so viel Kontrolle über sich und so viele Schlupflöcher und kleine Fluchten zu lassen wie Sie für sich selbst für lebensnotwendig halten, und was halten Sie von jenem Kunstwerk, das eine Matratze, bestehend aus Videokameras, zeigt, und Karomütze sah ihn entgeistert an und antwortete, ich habe zur Zeit wirklich andere Probleme, mein Alfa springt nicht recht an, es muß etwas mit dem einen Zylinder sein, denn an der Batterie liegt es definitiv nicht...

Donnerstag, 18. Juni 2009

736.

Manchmal breiten sich ziemlich viele Wellen aus, wenn einer irgendwo einen Stein ins Wasser wirft, sagte die Kreativleitung zum Mo, während sie sich auf ihren Teppich legte, die Füße auf den Drehstuhl, ein Signal, auf das Mo nur gewartet hatte, um endlich wieder einmal auf den Schienbeinen der Kreativleitung und den Armlehnen des Drehstuhls herumzubalancieren, die Lemurenaugen flink hin und her bewegend und mit dem blauen Mäntelchen rauschend, ich finde es sehr schön, fuhr die Kreativleitung fort, daß die Dame Ö jetzt so beschäftigt ist mit der Kampagne zur Unterstützung der Aufständischen im Iran, das ist eine nützliche Tätigkeit, die Welt beträgt sich in dieser Hinsicht ja übrigens etwas lausig, man hat sich so sehr daran gewöhnt, mit einem Monsterstaat zu operieren, zu kooperieren, zu anti-operieren, es scheint sie fast zu stören, daß da vor allem Leute leben, die ganz einfach endlich mal freie Bürger sein wollen und das auch noch lautstark und unter höchstem Risiko kundtun, aber ein paar Leute scheinen doch was zu merken, und jetzt stell dir mal vor, das geht so weiter, dann hat die Welt bald keine Feinde mehr, was machen sie dann, ich finde, das sollte doch ein Thema für den Wandteppich sein, aber Mo sagte, als ich im Käfig saß, ich weiß nicht wie ein Wandteppich hätte aussehen müssen, der mich hätte trösten können, und die Kreativleitung dachte, manchmal ist es schon etwas schwierig, bei der Sache zu bleiben, laut sagte sie, hätte es dich wirklich nicht gefreut zu wissen, daß überall Leute auf alle Weisen dich unterstützen und an dich denken würden, ich kann mir nicht vorstellen, daß das so gaar nichts bringen sollte, und sie schnappte mit ihrer Hand nach einem Ende des Blaumantels, aber Mo war schneller und lachte von der oberen Kante des Drehstuhls ihr hellstes Lachen.

Mittwoch, 17. Juni 2009

735.

Der ehemalige Chef geriet fast in altgewohntes Donnern, als er am Mittwochmorgen in der EinSatzLeitung anrief (und zwar unmittelbar im Chefbüro, die Nummer hatte sich ja nicht verändert), denn er meinte, man dürfe sich für derartig zwielichtige Gestalten in derartig zwielichtigen Verhältnissen nicht so weit aus dem Fenster lehnen, ob Linke oder Rechte, sagte er, der Iran hat uns alle schon ebenso tief enttäuscht wie seinerzeit die Russen mit ihrer Revolution, voller Eifer solidarisiert man sich mit den Aufständischen spätestens dann, wenn sie in die Gefängnisse geworfen oder freundlich eskortiert werden, freut sich, wenn man sie wieder draußen hat und die Verhältnisse sich ändern, aber wenn diese ehemaligen Schützlinge dann wirklich etwas Macht in die Finger bekommen, sind sie schlimmer als ihre Vorgänger, das kennen wir doch nun schon, und was haben wir damit zu tun, halten Sie sich da heraus um Himmels willen, aber die Chefin hielt den Hörer wieder einmal ein wenig von ihrem Ohr fern und sagte, ich muß niemanden idealisieren, um für seine Befreiung aus ungerechtfertigter Haft zu plädieren, ich muß nicht glauben, daß alles super wird, wenn die Aufständischen im Iran sich jetzt durchsetzen, um ihren Freiheitswillen mit Sympathie und Bewunderung zu bedenken, und ich glaube, wer ein paar schwierige Lebens- und Denkbewegungen hinter sich hat und über Jahre einen schwierigen Balance-Kurs gefahren ist, könnte in der gegenwärtigen Lage ein interessanterer politischer Akteur sein als jemand, der nun genau den auch keineswegs über alle Zweifel erhabenen Lavierereien des Westens seine unbedingte Zustimmung erteilt, um ausschließlich auf diese Kompatibilität das Denken für die Zukunft seines Landes zu gründen, und sie bedankte sich höflich für die lebhafte Anteilnahme des ehemaligen Chefs an den Geschicken der EinSatzLeitung, sie wisse doch, wie gut ers meine, und sie danke ihm auch für das Vertrauen, das er ihr erwiesen, als er seinerzeit dennoch die Führung nunmehr an sie abgegeben habe.

Dienstag, 16. Juni 2009

734.

Die Chefin, die erst am Abend zur Aufnahme politischer Nachrichten gekommen war, veranlaßte Löschung des ohnehin zu spät publizierten Eintrags und verlangte folgenden Satz zu veröffentlichen: Die Verhältnisse in Teheran beunruhigen die EinSatzLeitung, welche sicher in Tapferkeit und Ernsthaftigkeit sich nicht messen kann mit dem, was viele Blogger in aller Welt gegenwärtig tun, zutiefst; die Nachricht, daß der bloggende Mullah Mohammed Abtahi verhaftet wurde, ist uns ein Anlaß, alle Leserinnen und Leser aufzufordern, sich nach besten Kräften für seine Befreiung einzusetzen, laut und leise und mit aller Energie, die sie dafür erübrigen können, und allen Frauen und Männern, die in den Straßen Irans gegen ein brutales und antidemokratisches Regime aufstehen, ihre Solidarität zu zeigen.

Montag, 15. Juni 2009

733.

Sitzung der EinSatzLeitung

Sitzungsleitung: Demokratiebeauftragter
Protokoll: Oberassistent

Anwesend: Demokratiebeauftragter, Oberassistent, Kreativleitung, Mo, Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse, Minderheitler mit grünen Borsten, Buchhalter, Karomütze, der klitzekleine Forschungsminister, Dame Ö, diverse Mehrheitler und Minderheitler, Diskurswart, Kwaliteitswart.

Entschuldigt: Chefin, Leitung Öffentlichkeit, Allgemeinste Verteidigung



Mit wenigen Worten eröffnet der Demokratiebeauftragte die Sitzung, sehr streng ein etwas besseres Protokoll anmahnend, man wird sich bemühen.

Tagesordnung:

1. Bestellung einer Vertretung für die allgemeinste Verteidigung
2. Bericht der Kreativleitung über den Stand der Arbeiten
3. Bericht von Karomütze über eine Operation der Pestvögel an alten Materialien
4. Verschiedenes

TOP 1:
Mitteilung über die Geburt eines kleinen Mädchens im Haushalt der allgemeinsten Verteidigung vor bereits zwei Wochen. Man habe mit der Mitteilung warten wollen, da der Gesundheitszustand von Mutter und Kind kritisch gewesen und eine Informationssperre verhängt worden sei. Die Mitarbeiterin, der für ihren EinSatz bis ganz kurz vor der Geburt gedankte werden solle, nehme eine zehnmonatige Auszeit, werde sich aber immer wieder auf der Kommentarebene zu Wort melden.
Nach längerer Debatte wird der klitzekleine Forschungsminister mit der Stellvertretung beauftragt.

TOP 2:
Die Kreativleitung berichtet, daß die Arbeiten am Wandteppich das zweite Drittel schleppend erreichen, da sehr viel Material nach ästhetischen und konstruktiven Gesichtspunkten umgeordnet werden müsse. Die Abwesenheit einer Assistentin erweise sich als schwierig, Mo allerdings als zunehmend nützlicher. Sie bitte um Unterstützung durch den Minderheitler mit den grünen Borsten und durch Dame Ö, deren kreatives Potential bei ihrem Türsteherinnenjob derzeit ohnehin brach liege, zumal der Publikumsverkehr eher geringer geworden sei. Der Minderheitler mit den grünen Borsten sträubt sich nur kurz, Dame Ö kriegt die Mundwinkel gar nicht wieder Richtung Mitte, bemerkt aber, daß es ihr auch bei Wiederbelebung des Publikumsverkehrs Freude machen würde, zwischen Türdienst und Mitarbeit im Kreativbüro zu wechseln.

TOP 3:
Karomütze berichtet, die Analyse seiner neuesten Daten ergebe, daß die Pestvögel mittlerweile alle seinerzeit von Pestvogels in einer großen Einbruchsaktion ergaunerten Dokumentenreste verarbeitet hätten, die Beute aus einem dokumentierten zweiten Einbruch ebenfalls berücksichtigend. Sie haben sich nunmehr ein neues Feindbild zusammengesetzt. Ein gezielter Konter sei in Vorbereitung und werde schon an allen dafür in Frage kommenden Stellen in seinen AußenEinSätzen zur Wirkung gebracht. Die Pestvögel hätten die Gewohnheit, alles sofort an Drehbuchautoren etc. weiterzugeben, keineswegs abgelegt, aber die Produkte würden – infolge der allmählich einsetzenden Wirkung des Generalstreiks bei der Produktion breit verwertbarer Novitäten und als Ergebnis der gezielten Müll-Lancierung – immer schwächer und durchsichtiger und dümmlicher. Die verpestvogelten Produkte seien sämtlich unbedenklich, da nach Inhalt und Methode veraltet und im Unterhaltungswert gering.
Er schlage vor, den bis jetzt schon entstandenen Schaden nach Wiederherstellung der EinSatzFähigkeit der Chefin trotz der angespannten Personallage umfassend einzuschätzen und mit allen auf dem Dokumentenraub aufbauenden etwaigen Anwürfen offensiv bis – im amerikanischen Sinne des Wortes – aggressiv umzugehen. Wenn irgendwann an eine Verstärkung seiner Truppe zu denken wäre, könne man auch an die Beweissicherung gehen und eine Schadensersatzklage von nicht unerheblichem Ausmaß anstrengen. Man werde gewärtigen müssen, daß die Politik des Hauses dann auch überprüft werde, aber schlimmer als die bisherigen Überprüfungen aus dem Off, die nicht eindaml die Möglichkeit deutlicher Gegenrede kennten, könne das auch nicht mehr werden, zumal eine angekündigte Überprüfung sehr viel weniger emotionalen Stress bedeute als die sinnlosen und alle Kommunikation korrumpierenden Anschleimereien der indirekten Prüfer. Befragt über immer wieder auftretende beunruhigende Meldungen, nach denen der ehemalige Leiter der Abteilung Öffentlichkeit in seinem Groll für die Gegenseite aktiv geworden sei, wollte Karomütze zum Schutze der laufenden Ermittlungen keine Auskunft geben, nur soviel: Es kann sehr gut sein, daß er selbst aktiv ist, es ist aber nicht auszuschließen, daß er seinerseits nur Spielball stärkerer Kräfte ist. Man müsse, falls die Erkrankung der Chefin ernster sei als ihr Wochenendbefinden hoffen lasse, daran denken, dem Demokratiebeauftragten als ihrem Stellvertreter evtl. den ehemaligen Chef noch einmal zur Seite zu stellen, denn: „Verantwortung läßt sich nicht outsourcen.“ So er. Der Protokollant merkt an, daß die Heranziehung eines ehemaligen Chefs durchaus nichts anderes als Outsourcing ist und „eher reiße ich mich selbst mal am Riemen.“

TOP 4:
- Es wird vereinbart, der allgemeinsten Verteidigung ein Geschenk zu machen, die Dame Ö übernimmt Beschaffung und Einsammlung des Geldes.
- Leitung Öffentlichkeit hat sich wegen einiger Komplikationen bereits jetzt in den Mutterschutz begeben, über dessen Ausdehnung noch nichts bekannt sei. Für die nächste Sitzung wird Regelung ihrer Vertretung auf die Tagesordnung gesetzt. Diese Sitzung findet turnusgemäß unter 760 statt.
- Über den Gesundheitszustand der Chefin wird berichtet, daß sie für die kommende Woche Wiederherstellung erwarte.

Sonntag, 14. Juni 2009

732.

Die Chefin, welche sich wieder zuhause befand, aber noch etwas schwächelte, wurde von ihrem Kind schon mal gefragt, was sie von den Vorgängen im Iran denke, und, erfreut wie sie war über das Interesse des Kindes, sagte sie, niederschmetternd ist das, und es wird nicht dadurch besser, daß manchem im Westen eigentlich die Formel Iran=Ahmadinedjahd=Gefahr-für-den-Weltfrieden lieber ist als ein Sieg der gemäßigten Partei - ich bewundere die tapferen Demonstranten dort sehr und hoffe, daß man einen Weg findet, diese Menschen im iranischen Volk nicht im Stich zu lassen, aber wenn einer einen Geheimdienst und einen Polizeiapparat unter sich hat und einen religiösen Führer über sich, dann hat man nicht viel Gutes von ihm zu erwarten.

Samstag, 13. Juni 2009

731.

Die EinSatzLeitung, bzw. die, die von ihr noch EinSatzFähig und auch am Wochenende EinSatzBereit waren, hat sich in einem kleinen Chat-, Rundmail-, sms- und Telefonverfahren darauf geeinigt, statt einer Wochenendsitzung einfach eine Solidaritätsadresse in den Iran zu schicken und allen Reformwilligen dort zuzurufen, daß sie durchhalten und stark sein sollen, zugleich schlau und vorsichtig, und daß hier viele darauf warten, mit einem reformierten Iran zusammenzuarbeiten.

Freitag, 12. Juni 2009

730.

Schon klar, sagte der Buchhalter, als eine strenge Mahnmail seinen Schirm kurz vor dessen Abschaltung erreicht hatte, wir haben heute Sitzungstag, und, nein, wir haben es nicht vergessen, das heißt, die Chefin hat früh den Auftrag herausgegeben, die Sitzung zu vertagen, das haben wir intern geregelt, das mußte gemacht werden, denn es waren alle so aufgeregt wegen der vielen Gefangenen, die nichts machen und keinen guten Rat mehr hören können, und wegen der schwachen Hoffnungen auf Änderung, dann kam die nächste Nachricht, die Chefin lag unter allergischem Schock im Sauerstoffzelt, und ich hab den ganzen Tag den Hörer nicht aus der Hand gelegt, Leitung Ö ist ins Krankenhaus gekommen mit ihren Wehen, Karomütze wurde gefangengenommen und verhört, und alle schwirren hier durcheinander, also bitte bitte bitte nicht drängeln, wir haben ja schon, und ja, ja, ich habe deswegen die Vertagungsnachricht verpasst, HerrGottNochMal, was sagen Sie, das ist Lästerung, Sie haben sie doch nicht mehr alle, und er legte, laut vor sich hinschimpfend in Gedanken, den Mailhörer auf, schaltete den Schirm ab und machte als letzter das Licht aus.

Donnerstag, 11. Juni 2009

729.

Stellt euch vor, in welche Verlegenheit Ahmadinedjahd gekommen wäre, wenn die Firma Basell Polyolefine GmbH ihr Geschäft mit der staatlichen iranischen National Petrochemical Company (NPC) im Wert von 825 Millionen Euro nur unter der Bedingung abgeschlossen hätte, daß 825 Gefangene aus den Gefängnissen befreit worden wären, und zwar ausnahmslos solche, die nichts weiter getan haben als sich Freiheiten zu nehmen, die wir in Übereinstimmung mit der Charta der Menschenrechte für völlig normal halten, sagte der Demokratiebeauftragte, als der Minderheitler mit den grünen Borsten und die Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse unisono wieder einmal zu einem Boykott aufriefen, während ein paar Mehrheitler sagten, was sie immer sagen, Dialog-Dialog, und ein paar andere Mehrheitler sagten, was sie immer sagen, nämlich Krieg-Krieg, und der Oberassistent sagte, du glaubst doch nicht, daß ihn das beeindruckt hätte, aber der Demokratiebeauftragte sagte, hätte vielleicht doch, immerhin hätte er sehr konkret sagen müssen, warum ihm die Gefangenschaft dieser speziellen vorab genannten 825 Gefangenen wichtiger wäre als ein solches Geschäft, und vielleicht wäre ihm das so kurz vor der Wahl ein bißchen unangenehm gewesen.

Mittwoch, 10. Juni 2009

728.

Am Ende sollte doch die Einsicht siegen, sagte die Gattin des ehemaligen Chefs zu ihrem Gatten, als dieser sich über einen gewissen Sittenverfall in den Redaktionen beklagte, warum sollte sie, fragte der ehemalige Chef.

Dienstag, 9. Juni 2009

727.

In der Kreativabteilung erzählte der erzählende Kranich mittlerweile genüßlich, was er im Überfluge über eine Pestvogelklamm zufällig gehört (englisch dürfte man sagen overheard, aber im Deutschen geht es so nicht, dabei wäre es doch herrlich, überflog, überhörte, übermittelte sodann) hatte: ein kleiner Pestvogel, welchem noch die Eierschale unter den Flügelchen klebte, hatte zu einem großen Pestvogel gesagt, ihr seid nichts anderes als Psychofaschisten, seid ihr!

Montag, 8. Juni 2009

726.

Dame Ö. erfreute sich am frühen Montag einer angenehm ruhigen Arbeitsatmosphäre ohne viel Telefongeräusch, nachdem es ihr endlich gelungen war, einen außerordentlich lästigen anonymen Anrufer, welcher sich als Kavalier geradezu Schillerschen Formates aufzuspielen beliebte und sie eigens anrief, um ihr mitzuteilen, daß er ihren Dank für seine unerbetenen Dienste wahrhaftig nicht begehre, mit dem Satze abzufertigen, er möge seinen Handschuh allein verspeisen und sich andernfalls schon einmal einen Anwalt suchen.

Sonntag, 7. Juni 2009

725.

Der erzählende Kranich unterdessen geruhte bei diesem seinem ein wenig längergestreckten Besuche, sich eher bitten zu lassen, er stelzte auf seinen Beinen durch das Büro der Kreativleitung, inspizierte so dies und das, zupfte ein kleines Fädchen im Wandteppich zurecht, folgte einem aufgeregt herumtrippelnden Mo in die Ecke des Raumes, in der außer Mos Fell, dem karierten Schal und dem Kittelchen auch ein paar Zettel und Stifte herumlagen, neben einem Tellerchen, von dem es wohl ihr Apfel- und Honigfrühstück gegessen hatte, und ließ schließlich seinen Blick ruhen auf einer mit Klebeband an der Wand befestigten Abschrift der folgenden Bemerkung von Theodor Fontane: "es braucht nicht jeder 
um drei Uhr früh aufzustehen und fünfzehn Stunden Steine zu klopfen; 
man kann sich auch anderweitig im Leben nützlich machen, 
mancher bloß dadurch, daß er da ist, 
durch Freundschaft, Treue, Liebenswürdigkeit - 
alles ohne Anstrengung, ja am schönsten dann, 
wenn man das ohne Anstrengung leistet,"...das ist dein Lebensmotto, wie, fragte er das kleine Wesen, so hättest du es gern, und mit leuchtenden Augen und fast schon diabolischem Lächeln sagte das Mo, nein, Verehrtester, das hing in meinem Käfig, der es da aufgehängt hatte, hat immer gesagt, darum, weil du dich an dieses Motto hältst, lieb ich dich so, und der erzählende Kranich sagte, wie erstaunlich diese Geschichte doch ist, ich weiß nicht, ob ich sie dir glauben soll, aber das Blau deines Mantels ist wirklich sehr schön, und Mo lachte wieder, aber die Kreativleitung rief, an die Arbeit, Kinder, wir müssen ein wenig weiter kommen heute.

Samstag, 6. Juni 2009

724.

Karomütze wanderte zwischen seinen Globen umher und besichtigte überall die Normandie, nebenher ließ er Filme laufen, in denen die Landung der Amerikaner dortselbst gezeigt wurde, und er war sehr erschüttert.

Freitag, 5. Juni 2009

723.

Es war einer jener Tage, an denen die Chefin so ungnädig war wie mancher sie lieber öfter gesehen hätte, denn von manchen Menschen wird nur ernst genommen, wer sich dann und wann sehr schlecht gelaunt zeigt, diese also wären am Tag nach Eintreffen des erzählenden Kranichs voll auf ihre Kosten gekommen, denn an diesem Tage war die Chefin ausgesprochen schlecht gelaunt, als die Verteidigung K ihr berichtet hatte, etliche Kommentare von EinSatzKräften zum Spannung erzeugenden Auftritt des erzählenden Kranichs seien nicht veröffentlicht worden, wo hakte es denn, fragte sie mürrisch, wenn wir die Kommentare nicht mehr veröffentlichen, ruinieren wir die Sache natürlich, die gehören doch wohl zum Prinzip, eben, sagte die allgemeinste Verteidigung, eben, und es war ein so schöner dabei von einem "Bibliotheken-Nutzer," aber anscheinend haben der Buchhalter und der Oberassistent und die Leitung der Abteilung Öffentlichkeit gestern ein Jucken verspürt, gefunden, daß man dem erzählenden Kranich zu viel Aufmerksamkeit zuteil werden lasse und, wenn sie ihn schon nicht stoppen durften, ohne sich zu gefährden, immerhin die Kommentare gestoppt, empörend das und unmöglich, sagte die Chefin, und sie bat die drei Beschuldigten zu einer ziemlich gründlichen Aufklärung über und Erinnerung an ihre Pflichten in ihr Büro.

Donnerstag, 4. Juni 2009

722.

So, da erwartet man also wieder einmal meine Ankunft sehnsüchtig, wie, sagte der erzählene Kranich, der nicht völlig frei war von jener heiligen Tugend der Eitelkeit, ohne welche niemand ernsthaft einem anderen Respekt noch Aufmerksamkeit erweisen könnte, und im Kreativbüro wurde die winzig selbstgefällige Geste, mit der er sich umschaute, ob noch weitere Zuschauer zugegen seien, wie üblich eher mit einem kleinen Entzücken aufgenommen, Mo kam eifrig angehüpft und sagte, ja, stell dir vor, es waren Hacker da, die haben dich auch erwartet, und was hast du nun zu erzählen, gibt es Neues von den Haubentauchern, was machen die Pestvögel, und wann erzählst du endlich von dem alten Baum etwas entfernt von einer Oase, an den gelehnt du einmal jene Frau angetroffen hast, die... lass ihn doch erst einmal ankommen, sagte die Kreativleitung, aber gespannt auf die kommenden Erzählungen des Vogels war auch sie.

Mittwoch, 3. Juni 2009

721.

Rüpel, zischte der unverändert korpulente Oberassistent, als er von dem hin und her schlenkernden Schulranzen eines im Laufschritt an ihm vorbeizischenden Kindes unsanft am Handgelenk getroffen wurde, und seiner neben ihm gehenden Schwester gegenüber fing er im Weiterwatscheln an vorzutragen, wie wenig er überhaupt von der Massenkindhaltung halte, man sehe ja, wo das hin führe, ganze Pulks werden nicht gerade im Stechschritt, aber dafür zum Aufschließen immer mal wieder im Laufschritt über die Bürgersteige eskortiert von völlig überforderten Erzieherinnen, Lehrerinnen oder was das auch immer für Mädels sein mögen mit dem ewig nöligen Ton, dem man schon anhöre, daß sie sowieso nur auf die Zigarettenpause warteten, und ... natürlich fand seine Schwester das alles ungerecht und menschenverachtend und überhaupt blöd, aber zeig doch mal dein Handgelenk, mein armer Schnucki.

Dienstag, 2. Juni 2009

720.

Die kleine Gesellschaft im Garten des ehemaligen Chefs hatte lebhaft diskutiert, die Haushaltshilfe der Gattin des ehemaligen Chefs hatte reichlich aufgetragen, und als sie sich voneinander verabschiedet hatten, bemerkte die Gattin des ehemaligen Chefs gegenüber ihrem Gemahl, ist dir eigentlich aufgefallen, daß wir das Thema, um das es gehen sollte, ganz schnell haben fallen lassen, nachdem die Kreativleitung behauptet hatte, es seien die zu wasserdichten Geschichten, welche immer wieder von innen heraus die Demokratie gefährdeten und zu völlig falschen "pädagogischen" Maßnahmen wie auch zu völlig falschen sonstigen EinSätzen verführten, und der ehemalige Chef, welcher eigentlich gerade in seine Gedanken versinken wollte, murrte nur ein wenig, ja, natürlich, und dagegen hülfen nur die offenen Geschichten, das hat sie schon immer gesagt, aber darauf kann man doch keine Ethik aufbauen, die gegenwärtige Chefin gibt ihr zu sehr nach, an einer ihm selbst nicht recht deutlichen Stelle jedoch war er - für seinen eigenen Geschmack - entschieden zu weich geworden, und er sagte zu seiner Frau, vielleicht siehst du mal nach, ob in der Küche alles richtig ist, es hat da gerade etwas laut geklappert.

Montag, 1. Juni 2009

719.

Bevor die Chefin sich bei spektakulär abwechslungsreichem Wetter in ihr Wochenende verabschiedet hatte, war von ihrem Computer noch einmal eine kleine Befreit-die-Dame-in-Myanmar-Botschaft und der eine oder andere Hinweis auf zu unrecht festgehaltene Menschen in die Welt gegangen, dann aber hatte sie bemerkt, nun sei erst einmal Pfingsten, und ob man es glaube oder nicht, dies bedeute ihr etwas, man müsse ein wenig nachdenken, und gefragt, wo sie denn worüber nachzudenken gedenke, antwortete sie leichthin, sie werde gemeinsam mit der Kreativleitung, Karomütze, dem Kwaliteitswart und Dame Ö den ehemaligen Chef und seine Gattin besuchen, um dort über diejenigen Formen von "Respekt vor einem Meister" nachzudenken, die mit einem großen individuellen Freiheitsstreben vereinbar seien, denn über diese Sache sei hinter den Kulissen ein neuer Streit zwischen ihnen entbrannt, er verdächtige sie zu weit gehender Liberalisierung, bei der den Menschen die Orientierung und der Respekt für wahre Größe verloren gehe, sie werfe ihm vor, mit allen möglichen aesthetischen Beispielen zu beschönigen, daß die wundervollsten Meisterverehrungen wie eh und je in autoritären Gesellschaften mit vollen Gefängnissen und unterdrückten Frauen usw. stattfänden, und nun müsse man also über richtigen und fehlgeleiteten Respekt nachdenken und ein wenig zanken, sie freue sich sehr darauf.

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