Samstag, 26. April 2008

317.

In der Abteilung Öffentlichkeit beschloss die Assistentin Ö, welche sich angewöhnt hatte, unwillkommene Post einfach wegzuwerfen, heute eine Ausnahme, denn mit einer Art Restinteresse beobachtete sie immer mal gern, was der durchrenovierte Buchhalter machte und wie die Leute darauf reagierten, sie erwartete diesmal Zuschriften aller Art, besann sich also auf ihr standing und fand, sie könne sich dann und wann einen Blick in die Tiefen der medialen Öffentlichkeit zumuten, aber bereits durch die ersten Seiten der Zeitungen wurde sie völlig von ihrem Vorhaben abgebracht, sie las Dinge, die ihr sogleich erklärten, warum sonst noch niemand da war, und sie dachte, es geschehen ja wirklich kleine Wunder, vergaß ihr standing, rückte ihre stets ordentliche buntgestreifte Bluse noch ein wenig ordentlicher zurecht, eilte ins Büro der Demokratiebeauftragten und bekam sofort ein Glas Sekt in die Hand gedrückt, um auf den ersten Erfolg der tibetischen Proteste und auf einige andere ziemlich gute Nachrichten anzustoßen, alle hatten sich in dem Büro versammelt, und der Chef wollte anscheinend eine kleine Rede halten, stand aber noch mit seiner Gattin und mit der Kreativleitung, aus deren Bündel ein vorsichtiges Mo schon wieder den eben doch allzu neugierigen Kopf streckte, in einer Ecke, die Demokratiebeuaftragte selbst unterhielt sich mit den auch anwesenden Gattinnen über die teils allzu mißbilligende Berichterstattung zum Etappensieg der amerikanischen Kandidatin, Assistentin K und der stille Theologe tuschelten über den Besuch der Fara Diwa, und nur der Kollege Karomütze starrte auf einen neuen großen Globus, welcher im Büro aufgestellt worden war, und suchte mit dem Finger auf Sri Lanka herum, bis die Assistentin ihn von hinten antippte und sagte: eine Minute Freude wirst du dir gönnen dürfen, Junge, du kannst dann gleich wieder zur nächsten Aufgabe voranschreiten.

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

Nachzutragen ist, daß man bei dieser Gelegenheit selbst Karomütze lächeln sah.

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