Samstag, 14. Februar 2009

611.

Als der erzählende Kranich nach langem Fluge an der Fensterbank des Kreativbüros ankam, fand er das Büro leer, und schon recht flügellahm flatterte er noch einmal auf, um es am Fenster des "Bistro" zu probieren.

Freitag, 13. Februar 2009

610.

Na dann reden wir halt wieder über die Welt, sagte der Sicherheitsbeauftragte, wie findest du es, daß die Nazis in Dresden am Valentinstag einen Aufmarsch machen, und die allgemeinste Verteidigung lachte, sich immer mal wieder über den Bauch streichend, dazu hat das Kind von der Chefin den besten Satz gesagt, nämlich: "die demonstrieren wahrscheinlich gegen Liebe, nach dem Motto, wozu Liebe, wenn man auch Unterdrückung haben kann," und der Sicherheitsbeauftragte sagte, jetzt versteh ich, wieso du unbedingt ein Kind wolltest, und übrigens, tut mir leid wegen damals, als du es von mir wolltest...

Donnerstag, 12. Februar 2009

609.

Was meinst du, als ehemalige Kreativassistentin, hätte man das Stocken der Konversation nun schon als Teil des von der Chefin verkündeten Streikwillens auffassen sollen, oder hat sich diese Sache wieder in Luft aufgelöst, fragte der Sicherheitsbeauftragte, als ihm die Verteidigung von den mageren Vorgängen berichtete, und die Verteidigungsdame, indem sie unter ihrem wachsenden Bauch die Beine übereinanderschlug (was sie natürlich nach all den weisen Ratschlägen, mit denen eine Schwangere überfüttert wird, nicht hätte tun dürfen) sagte, nein, die Chefin ist schon ernst, aber, du kennst sie, nie unkooperativ, wo sie es verantworten kann, also wie ich das sehe hat sich in Luft aufgelöst allenfalls ihr kurzfristiger Zorn, während sie weiter nur eine Notbesetzung der EinSatzLeitung erlaubt - und also habe ich Zeit, mich zuhause in einen besonders komplizierten Fall einzuarbeiten, in dem wirklich jeder gegen jeden verteidigt werden muß, und was man mir an Literatur an die Hand gegeben hat, macht mich da auch nur ratloser, denn ein Fall, in dem immer wieder selbsternannte Helfer zu besonders gefährlichen Gegnern werden, während selbsternannte Feinde plötzlich wieder freundlich werden, der mag bei weltpolitischen Strategiespielen normal sein, aber sobald du sowas auf ein Einzelleben überträgst, verlierst du schnell den Überblick.

Mittwoch, 11. Februar 2009

608.

Im "Bistro" prallten aufeinander der sehr um die in Afghanistan stationierten Kollegen besorgte Sicherheitsbeauftragte, die vom überraschend guten Wahlerfolg "ihrer" Kandidatin doch etwas erleichterte Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse, dazu Dame Ö, deren Braue angesichts der etwas schroffen Äußerungen der Chefin vom Vortag eine gewisse Agitation und schlechten Schlaf verrieten - die anderen EinSatzKräfte aber waren entweder in ihren Büros oder zuhause oder in einem kleinen Schneechaos stecken geblieben, und auch in der Notbesetzung der EinSatzLeitung stagnierte die Konversation wie von selbst.

Dienstag, 10. Februar 2009

607.

Als die Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse gegangen war, war es wiederum nicht die allgemeinste Verteidigung, welche im Büro der Chefin erschien, sondern vielmehr der Buchhalter, in der Hand einen Brief, in welchem ein alter wohlhabender Knacker mitteilte, man habe nun sämtliche Geldhähne zugedreht, sämtliche Erwerbsmöglichkeiten abgeschnitten und erwarte, daß unter dem so erzeugten Drucke endlich die gewünschte Leistung von der EinSatzLeitung erbracht werde, und gut, sagte die Chefin, nachdem sie das Papier aufmerksam studiert und verächtlich über solche schwarze Pädagogik geschnaubt hatte, dann also wieder Streik, wir werden ab jetzt andere Waren verkaufen oder eben diese unwirtliche Gegend vollständig verlassen, der Herr Knacker möge die Logik seiner Disziplinierungen überdenken und selbst stempeln gehen und plattgemacht werden, das hat er nie erlebt, da faselt sichs leicht von Opfern, wir werden den nicht mehr erziehen können, er wird ja geehrt für das, was er sich unter großen Opfern an anderen abgeklemmt hat, wir werden ihm auch nicht mehr beibringen können, daß man auf diese Weise das Gras nicht zum Wachsen zwingt, sondern einzig und allein durch verlässliche Förderung bei Klarheit und Wahrheit (welche er hatte, aber nicht zu geben verstand), dies wird er nicht lernen - möge er mit seinen Herren und seinen Schlachttieren und seinen eigenen großen Werken selig werden, uns kriegt er so zu gar nichts, und während der Buchhalter noch verdattert guckte, während von draußen bereits zu hören war, wie es aus dem Anhängervolk des Herren schrie, nun, jetzt haben Sie Zeit, aber kein Geld, was machen Sie nun, ging die Chefin ans Fenster, schloß es, sagte zum Buchhalter, gehen Sie, wir haben uns lange genug quälen, kurzhalten und von irgendwelchen Idioten, die nie in Nöten waren, herumschubsen und maßregeln und vorschreiben lassen, welche Hilfe wobei zu suchen sei und welche Sorte von Trost niemals, wir werden eine kleine Sitzung im "Bistro" improvisieren, um einen geordneten Streik durchzuführen, und mehr wird es mit uns nicht geben, Starre gegen Starre, wir sind die schwächeren, sicher, aber wenn wir sie schon nicht von uns fernhalten können, diese zudringliche schwarze "Pädagogik" - so werden wir doch nicht diejenigen sein, die deren Wert erweisen, indem wir aus unseren Reihen ihr noch Früchte bringen.

Montag, 9. Februar 2009

606.

Bevor die allgemeinste Verteidigung, die den Wochenend-Ausflug in ihr Privatleben durchaus noch auf der Suche nach bunten Röcken und einem neuen Namen verbracht hatte, bei der Chefin zur verabredeten Arbeitsbesprechung eintraf, hatte diese Unterlagen gewälzt, Akten bewegt, Papiere gelesen und sich den ganzen Fall "Robin Hood" noch einmal betrachtet, es waren ihr etliche Unstimmigkeiten aufgefallen, Beweislücken und Argumentationslücken, und es wurde ihr dringlicher, mit der Verteidigung, mit welcher sie ja nun öfter zu tun haben würde, der Frage nachzugehen, ob man eigentlich im allgemeinen Kampagnenwesen überhaupt noch eine Möglichkeit habe, etwas wie die Wahrheit über einen Kasus herauszufinden, und weiter gesprochen, wie man in alledem überhaupt öffentliche Aufmerksamkeit bewerten wolle, und während sie noch nachdachte und überlegte und eine kleine Tagesordnung erstellte, klopfte die Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse an die Tür, kam aber gar nicht herein, sondern bat nur schnell um ganz festes Daumendrücken für die Kandidatin in ihrem Lande und um alle erdenkliche Förderung der konstruktiven Kräfte, welches ihr die Chefin natürlich unter schweigsamer Hintanstellung sämtlicher Skeptizismen gerne gewährte.

Sonntag, 8. Februar 2009

605.

Ob Mo etwas von den erneuerten Schwüngen des erzählendes Kranichs ahnte, hätte niemand sagen können, der in das kleine graue Gesichtchen gesehen hätte, wie es sich erhellte, als Mo am Morgen in der Küche der Kreativleitung ein neues Honigglas inspizierte und sich am Duft frischer Äpfel erfreute, und die Kreativleitung, die einen Tisch deckte, an welchem sie auch ihre ehemalige Assistentin und deren Gefährten erwartete, entzückte sich ihrerseits am fröhlichen kleinen Schnaufen des Wesens, und die Gleichzeitigkeit solchen Entzückens mit eigener ungetrösteter Sehnsucht und kleiner Besorgnis angehörs eines Geschreis aus der Nachbarschaft hielt sie nicht davon ab zu erwägen, wie es wäre, wenn man als nächstes ein paar detaillierte Berichte über das Fischen, das Töten und das Ausnehmen der Fische schriebe, über die Zubereitung der eßbaren Teile und die Verwerfung der nicht essbaren Teile an Orte, an denen magere Katzen streunend nach für sie verwertbaren Dingen suchen; auch die häßlichen Gerüche, die dabei entstehen, dürften nicht vernachlässigt werden.

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