Die EinSatzLeitung schreibt mit Gästen ein Buch. Pro Tag darf jede Person einen Satz einsetzen, die EinSätze werden fortlaufend numeriert. Auf der B-Ebene gibt es längere narrative Stücke. Die EinSatzKräfte und ihre Texte sind sämtlich rein fiktiv und frei erfunden. Alle Rechte bei der Autorin.
Mittwoch, 31. März 2010
1023.
Der Minderheitler mit den grünen Borsten hatte die Idee, er könne über Ostern mal verreisen, und er, der sonst recht wenig in Computer schaute, fand sich blätternd, suchend und surfend, ja, er betrat sogar Plattformen, auf denen er sich sonst nie herumtrieb, weil er plötzlich meinte, irgendwo da draußen könne vielleicht jemand sein, dem auch gelegentlich oder dauerhaft grüne Borsten wüchsen, und da er es so noch nie betrachtet hatte, begann dieser Gedanke ihn ein wenig zu interessieren.
Dienstag, 30. März 2010
1022.
Der Buchhalter wollte sich eigentlich beschweren, er könne so nicht arbeiten, drei Regelbrüche in der Kommentarstrecke zu einem in sich schon heiklen EinSatz, er wolle nicht unbedingt mehr Gehalt fordern, aber doch bessere Bedingungen, die Chefin müsse sich auch mal, statt sich nur mit der Kreativleitung einzuplaudern, hinter IHN stellen - er WOLLTE sich wie gesagt beschweren, aber als sein Blick auf die Zahl fiel und ihm bewußt wurde, daß man wirklich soeben den tausendsten EinSatz schreibe, da wurde er ganz starr, und es ging wohl nicht nur ihm so, denn Kommentare gab es an diesem Abend keine.
Montag, 29. März 2010
1021.
Als die Chefin für den Tag so weit durch war und ihre Bürotür hinter sich zu zog, sah sie zufällig, daß der erzählende Kranich mit Mo die Kreativabteilung verließ, und so entschloß sie sich spontan, bei der alten Freundin "einzugucken," denn ein Gespräch a deux mit dieser irgendwie entspannenden Person fehlte ihr schon seit längerem - besonders nach diesem Tag, an dem anscheinend nur Eins-zu-Einsler, Sportsblondinen, wie sie Robert Musil und Thomas Mann in ihren schlimmsten Briefen nicht übler hätten charakterisieren können, und einige wenige knarzgrade Menschen beider Geschlechter, mit denen man immerhin auskommen konnte, unterwegs waren, aber nichts, rein gar nichts Leichtes, Freundliches, Helles, Buntes und Seelenruhiges - und vorsichtig pochte sie an die nicht ganz geschlossene Tür.
Sonntag, 28. März 2010
1020.
Wie gestern schon bemerkt war der Samstag ein schöner Frühlingstag gewesen, genutzt vom naseweisen Sinologen, Mr. Precuneus, Dame Ö, dem klitzekleinen Forschungsminister und der Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse nebst Mo gemeinsam einen längeren Spaziergang durch die Stadt zu unternehmen (Mo und der klitzekleine Forschungsminister saßen auf dicken Kissen im gelblackierten Wagen, während die größer geratenen Herrschaften abwechselnd das Gefährt schoben), alle unterhielten sich mit allen, bis sie auf den Gehweg der Monumentenbrücke kamen, von dem aus man einen "spektakulären" Blick auf städtisches Gelände genießen konnte, was alle mit vielen Ahs und Ohs und "guck-mal-dahinten-das-Springerhochhaus" taten: da plötzlich verfiel Mo, welche die ganze Zeit über durch die Gitter des gelben Einkaufswagend auf den Gehweg gestarrt hatte, in eine Art Trance und es fidelte aus ihr heraus "wie wunderbar diese Brücke sich über die Gleise streckt, als wäre sie die römische Wölfin, die - Bauchseite nach oben - mit ihrem Leib die Bahnstrecke überbrückt," und während alle sich wunderten, wie sie auf diese schräge Idee komme, sprang Mo im Einkaufswagen herum, boxte ihr Kissen und sagte, sie würde gern ein Stück zu Fuß gehen, man könne sie doch später wieder auflesen, wenn man fertig sei mit dem Ah und Oh des Herumguckens auf blöde Häuser, Balkons und dergleichen.
1019.
Typisch, schrie der Buchhalter, irgendwelche Idioten haben gedacht, man nehme ihnen nicht eine Stunde weg, sondern gebe ihnen eine dazu, und jetzt haben wir den Salat, 3 Minuten zu spät zum EinSatz!
Freitag, 26. März 2010
1018.
Ach Mo, jetzt quengel doch nicht so, jammerte die Kreativleitung, nimm einfach diese Zeichnung hier und lass mich ein wenig machen, denn sie hatte eine dringende Terminsache zu erledigen - Mo aber, die fand, es sei an der Zeit, den sehr warmen sehr blauen Mantel nicht durch den grauen Kittel, sondern durch etwas NEUES zu ersetzen, quengelte weiter und fand das vorgeschlagene Bild nicht witzig, denn sie sorgte sich um den Kopf der armen Wildgans.
Donnerstag, 25. März 2010
1017.
Wenn die Dame Chefin im Winter die Bahnen nutzte, fühlte sie sich immer so zerbeult, weshalb sie es vorzog, wenn irgend möglich ihre Arbeitswege zu Fuß zurück zu legen, denn das erfrischte sie, und sie fragte sich, warum eigentlich nicht auch auf den Gehwegen zuweilen kleine Dichtungen zu sehen waren, wie man sie schließlich auch im Internet finden konnte, einige von ihnen vielleicht sogar geeignet, einsamen Herzen, die ihren Einsatzgenossen nur für wenige Minuten an irgendwelche Bildschirme entfliehen konnten, ein wenig aus der Seele zu sprechen, wie zum Beispiel das folgende kleine Gedicht, das ihr Kind aus dem web gefischt hatte als Vorboten eines ungeheuerlichen come-backs: http://www.youtube.com/watch?v=gbZVdj_d62M
Abonnieren
Posts (Atom)