Die EinSatzLeitung schreibt mit Gästen ein Buch. Pro Tag darf jede Person einen Satz einsetzen, die EinSätze werden fortlaufend numeriert. Auf der B-Ebene gibt es längere narrative Stücke. Die EinSatzKräfte und ihre Texte sind sämtlich rein fiktiv und frei erfunden. Alle Rechte bei der Autorin.
Freitag, 31. Juli 2009
779.
Der erzählende Kranich war as good as his word und eine liebe treue Seele ohnehin, weshalb er auch umstandslos den für die, wie er sagte, Braachvoogelijgkeit nicht erziehbaren kleinen Brachvogel mit sich auf seinen Weg nahm, ihn dann und wann hoch über den kaum sichtbaren kleinen Wolken leise verwickelnd in ein Lehrgespräch über die Kunst, Dinge in der Schwebe zu lassen, welche in denen Literaturen wohl an der Stelle und am Platze sei, in werkelijken Kommunikationen aber durchaus erheblichen Schaden anrichten könne, er betone, KÖNNE, und der möwenäugige kleine Brachvogel, der schon im Fluge etwas Mühe hatte, den Schwüngen des erzählenden Kranichs zu folgen, wie nun erst recht seinen un-narrativen Ausführungen, in welchen der alte Flieger den Kwaliteitswart zu imitieren schien, gerade so, als fürchte er sich vor der Begegnung mit diesem am meisten, wurde immer müder und unaufmerksamer; als aber der Kranich sah, wie die Möwenaugen des Kleinen sich allmählich röteten und seine Flügelschläge immer kleiner und hektischer wurden, beschloß er, an einem Weiher eine kleine Pause zu machen, in welcher der kleine Brachvogel, nachdem er sich ein wenig erfrischt hatte im nicht sehr kühlen Wasser, sogleich wieder munter plappernd erzählte, man habe versucht, seinen Vater zu einem Brachvogelführer auszubilden, es schließlich aber aufgegeben, denn sein Vater schon habe den unbedingten Willen zu führen vermissen lassen, woraufhin denn seine Mutter ihn getröstet habe mit der Bemerkung, sie würde - ichweißichweiß, sagte der erzählende Kranich, der allmählich ungeduldig wurde, denn mußte man nicht weiterweiter, ich weiß, sagte er also, sie würde sich allenfalls von jemandem führen lassen, der das nicht unbedingt wolle - ach so, sagte der kleine Brachvogel, Sie kennen die Geschichte schon, und gibt es eigentlich Geschichten, die Sie noch nicht kennen, oder kennen Sie alle Geschichten, und wenn ja, wie lernt man das denn?
Donnerstag, 30. Juli 2009
778.
Na, was steht in der Zeitung, fragte das Kind, und die Chefin sagte, man wünschte sich etwas mehr Sommerloch, besonders in Deutschland sieht es stattdessen aus wie die immerselbe Berichterstattung zur Erzeugung der immerselben sinnlosen Kämpfe, bei denen alles hübsch bunt aussieht, nur eines wirklich immer klar ist: wenn eine Spitzenpolitikerin einer bestimmten Partei, mit der ich immer wieder bis zum nächsten derartigen Zwischenfall sympathisiert habe, mit unlauteren und unsauberen Mitteln aus dem Amt gefegt wird, scheint das in dieser Partei trotz einiger brauchbarer Anläufe wirklich niemand ernsthaft aufhalten zu wollen, und sie legte die Zeitung beiseite und sagte, oder hast du eine bessere Erklärung für diese unsägliche Affäre, mit der sie jetzt diese Ministerin klein gekriegt haben, und das Kind sagte, jetzt fang bloß noch an mit "Breitensport," die Frauen sollen mehr kämpfen und weniger jammern, sagte das Kind, dann wird es was, und die Chefin sagte, das habe ich früher auch mal geglaubt, Eigenverantwortung usw., ich wünsche dir ja ernsthaft, daß du viele damit oder auf eine andere Weise durchkommen siehst, und lange, diese Ministerin hat immer gekämpft und nicht gejammert, ist viel angefeindet worden und hat gute Arbeit geleistet, viele andere haben es auch so gehalten, aber solange eine noch glaubt, auch nur irgendeinen Rückhalt innerhalb auch nur der eigenen Partei und des eigenen Ministeriums zu haben, wird sie nichts machen können, da kann sie noch so gut kämpfen, und das Kind sagte, willst du jetzt gegen Vertrauen reden, und die Chefin sagte, nur für die Politik, da muß man viel dafür reden, aber haben sollte man es besser nicht, überleg dir ernsthaft, ob du wirklich da hin willst, und wenn du da hin willst, guck dir genau an, wie in der Partei, für die du dich entscheiden willst, mit Frauen umgegangen wird, das ist nicht überall gleich, da verdrehte das Kind die Augen.
Mittwoch, 29. Juli 2009
777.
Als der erzählende Kranich sah, daß er tatsächlich im Begriffe war, bei EinSatz Numero 777 loszufliegen (warum sagst du nicht auffliegen, intervenierte Karomütze, das wäre so schön doppeldeutig, eben, sagte die Kreativleitung, zu doppeldeutig, und seit wann duzen wir uns?), schaute er an sich herunter, schaute auf den kleinen Brachvogel, der ihm nicht von der Seite wich, und sagte, wenn du immer ein Bein anziehst, oder wenn wir deine Beine gleich umeinander wickeln und gemeinsam ein wenig mit den Flügeln schlagen, dann können wir nach der Landung eigens für den Buchhalter die Zahl 777 als lebendes Bild darstellen, wollen wir das mal probieren?
Dienstag, 28. Juli 2009
776.
Was will der denn jetzt noch hier, maulte der Oberassistent, als er hörte, der erzählende Kranich wolle kommen und womöglich noch einen kleinen Brachvogel mitbringen, wir haben doch wirklich schon genug eitles Gefieder im Stall - wenn's das mal wäre, sagte der Demokratiebeauftragte, aber wenn der Kranich da war, kannst du die Kreativleitung nach ihrer Meinung zur Auszeichnung von Aung San Suu Kyi fragen, und schon wird sie dir irgendwas erzählen, was noch die blöden Generäle verständlich macht, zum Glück gehen die dann, wenn der da ist, wenigstens nicht zur Chefin, sieh es doch mal so.
Montag, 27. Juli 2009
775.
Am Montag gieng (muß sein, nur heute mal, gieng) die Chefin mit sorgenvoller Miene in ihr Büro, denn was sie genau für die Gefangenen im Iran tun könnte, wußte sie ebensowenig wie ein Mittel, in den absurden Prozeß gegen die von ihr besonders verehrte Dame in Birma einzugreifen, immer nur diese hilflosen Appelle, manchmal war ihr das einfach zu wenig, diese bodenlose Frechheit, diese Gemeinheit, daß eine Frau verteidigt werden muß wie eine Verbrecherin, weil sie die Auflagen einer verbrecherischen Freiheitsberaubung angeblich nicht erfüllt hat, manchmal erstickt man doch an so etwas, wenn man nicht - mancher würde sagen "man müßte mal auf den Tisch hauen," lachte sie, straffte sich und begann, den elenden Aktenberg auf dem elenden Schreibtisch zu bearbeiten, verdrossen.
Sonntag, 26. Juli 2009
774.
Mr. Precuneus war bereits in der ersten Woche seines Aufenthaltes von der Wohnung des Sicherheitsbeauftragten in das Gästezimmer des ehemaligen Chefs gezogen, in dessen Häuslichkeit er sich gleich recht wohl befand, reizende Leute, dachte er immer wieder, wenn er in seinem Zimmer war, und fing an, seinen Aufenthalt zu genießen; als Karomütze am Sonntag gemeinsam mit der Chefin, der Kreativleitung und einem außerordentlich friedlichen Mo sich zum Brunch auf der Veranda dieses Hauses einfand, bekam er geradezu Jovialitätsanfälle vor Erleichterung und fand sich bereit, dem jungen Mann aus dem dunklen Kontinente, den vor allem die Gattin des ehemaligen Chefs bereits völlig adoptiert zu haben schien, zu erläutern, was hier gehe und was nicht, zum Beispiel, sagte er, in dem Entwurf von gestern steht etwas von "Pfeffer für den Mandanten" im Zusammenhang mit der Idee von einem "entmilitarisierten Palästinenserstaat," das geht nicht, das kriegen hier alle in falsche Hälse, und zwar schneller als Sie den Mund wieder zu haben, bevor das draußen ist, haben Sie schon Ärger, aber wieso, fragte Precuneus, es wird doch jeder wissen, daß staatliche Autorität sich nun einmal auf ein Gewaltmonopol stützen muß, und daß also keiner einen Staat aufbauen kann, dem die Bürger nicht glauben, daß er wenigstens den Versuch machen würde, sie auch gegen seine Nachbarn notfalls mit Waffengewalt zu verteidigen, und so etwas nennen wir nun einmal Militär, und wer einen Staat will, wird ihn eine Streitmacht aufbauen lassen müssen, ja wer einen Staat will, sagte der ehemalige Chef, das wollen ja alle, aber die Frage ist doch für die Leute da unten, womit fangen sie an, wenn das ein Staat sein soll, der nicht im Militär nun gleich das Wichtigste sieht, und Karomütze sagte, einer, der so redet wie Precuneus, das ist eben die Sache, der wird gar nicht erst gefragt, was er für die Frage hält, sondern der fällt hier sofort in die Fallen des Sicherheits-Checks, hat er Ihnen erzählt, wie schlapp seine Prüfungen waren, bevor er in die Sicherheit übernommen wurde, da lachte der ehemalige Chef, legte Karomütze endlich mal wieder seine schwere weiche Hand auf die Schulter und sagte, jetzt kommen Sie ihm nur noch mit Bananenrepublik, dann fliegen hier wahrscheinlich gleich die Tassen, aber Precuneus, der soeben der Gattin des ehemaligen Chefs die zweite Tasse Tee einschenkte, lächelte nur gutmütig zu den beiden hinüber und glaubte, etwas besser zu verstehen.
Samstag, 25. Juli 2009
773.
Dame Ö verbrachte das Wochenende zuhause mit ordnenden und kreativen Tätigkeiten, versah ihre Pflanzen und kümmerte sich noch um dies und das, bei sich die Frage erwägend, wie sich denn wohl des Mr. Precuneus' Hinzutreten mittelfristig auswirken werde, bis sie sich schließlich von diesem allem losriss und irgendeine Zeitung zur Hand nahm, als interessierte sie das.
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