Sonntag, 12. Dezember 2010

1272.

Wissen Sie eigentlich, dass wir voellig aus dem Sitzungsrhythmus sind, fragte Karomütze die Chefin, als sie gemeinsam einen Sonntagsabendspaziergang zur Vorbereitung der kommenden Woche unternahmen, und die Chefin, die Mühe hatte, sich vom Anblick eines knirpsigen jungen Menschen zu loesen, der in sehr schlechter Haltung an einem Kaugummiautomaten stand und die Kurbel betätigte - so etwas sieht man ja in diesen durchtrainierten Zeiten äußerst selten, dass Menschen es noch wagen, mit schlechter Haltung herumzulaufen und dabei froehlich auszusehen, sagte sie entschuldigend zu dem durchtrainierten Sicherheitsbeauftragten, dessen zur Schau gestellte physische Korrektheit ihr unangenehm war wie eh und je, aber sie fühlte sich verpflichtet, ihn das nicht merken zu lassen, wodurch sie sich in erhebliche Kalamitäten verstrickte, zum Glück hatte er es nicht so mit der Interpretation der Gefühle anderer, es war auch nicht seine Aufgabe - die Chefin also, die sich gern noch weiter abgelenkt hätte mit der sinnfreien Betrachtung dieses merkwürdigen Wesens, das sie weder anzog noch abstieß, aber eben faszinierte, sagte, jaja, es läuft alles aus dem Ruder in der EinSatzLeitung, diese vielen roten Ferraris und die tiefe Sehnsucht nach schoenen roten Ferraris, die wir an und in uns glaubten, zu unserer eigenen Verteidigung den Leuten mal in ihre Hälse stopfen zu sollen bis sie selbst die Absurdität ihrer Propaganda erkennen, die hat uns aus dem Tritt gebracht, meinen Sie denn, wir sollten vielleicht morgen mal eine Sitzung für sagen wir Donnerstag anberaumen, und schon ärgerte sie sich, dass sie den überhaupt fragte, dass sie sich überhaupt zu Spaziergängen mit ihm herbeiließ, womoeglich hatte der ehemalige Chef mit seinem ewigen Gemecker recht, und ach, es war einfach nicht ihr Tag, aber allzu lange wollte sie sich diese Poroistät nun nicht mehr leisten, das war mal klar, irgendwie schien der Demokratiebeauftragte versagt zu haben, oder sie selbst, also Sie haben recht, sagte sie schließlich, wir werden das ändern und im nächsten Jahr noch einmal anders durchstarten, was sagen Sie, aber Karomütze war nun seinerseits abgelenkt, da er seine Taschen umkrempelte und massenhaft zusammengeknülltes Kaugummipapier mit den Abbildungen von schoenen roten Ferraris herauskramte, die er auf die Plastikferraris purzeln ließ, welche den gesamten Gehweg bedeckten und keinen Raum ließen zwischen diesem und der Straße, deren Ränder auch weiterhin zugeparkt waren mit schoenen roten Ferraris in allen, wirklich allen denkbaren Groeßen.

Samstag, 11. Dezember 2010

1271.

Ein Ornithologe fragt an, berichtete sich schüttelnd der Kumpel von Karomütze, welcher diesen in die Wochenendschicht begleitet hatte und für ihn nun Post sortierte, also ein Ornithologe fragt an, ob man auch "einen Satz bilden kann, in dem aus einem Pelikan ein schöner roter Ferrari wird, ohne dass der Pelikanbezug verloren geht," also die ticken doch irgendwie nicht mehr richtig, oder, und Karomütze sagte, was würdest du wohl tun, wenn sie es plötzlich täten?

Freitag, 10. Dezember 2010

1270.

Es wäre recht schön, sagte ein Journalist, in dessen Stimme erhebliche Schichten von Kreide abgelagert zu sein schienen, wenn man uns gelegentlich mitteilen könnte, welchen Sinn die EinSatzLeitung eigentlich genau verfolgt mit der Woche des wunderschönen roten Ferraris, und die Leitung der Abteilung Öffentlichkeit sah sich hilfesuchend in ihrem Büro um, fand aber keinen gedruckten Kommentar zur eher frei kommunizierten Dienstanweisung.

Donnerstag, 9. Dezember 2010

1269.

Auf dem Weg zur EinSatzLeitung diktierte Mr. Precuneus, indem er sich auf der schwarzgelederten Rückbank des wirklich wunderschön zum roten Ferrari umdekorierten alten Alfa von Karomütze so gut es bei vollständig nach hinten geschobenen Vordersitzen gieng, räkelte, dem auf dem Beifahrersitze breit grätschenden Oberassistenten einige bemerkenswerte Sätze über "Menschenmachers Testwesen" in die Tastatur, denn er hatte sich seit längerem dafür entschieden, auch in den übelsten Unbilden des Wetters und der sozialen Verwerfungen und unter der Bedingung der immer noch nicht vollkommen beherrschten Sprache seines Gastlandes diese selbst einfach solange zu äußerster Geschmeidigkeit zu - im wahrsten Sinne des Wortes - überreden, dass immer mal wieder recht treffende Ausdrücke dabei heraussprangen, welche ihm gelegentich den Respekt auch der Hinterbänkler eintrugen, das mochte er durchaus.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

1268.B.

A Yiddishe Kop


A Jewish man walked into a bank in New York City one day and
asked for the loan officer.
He told the loan officer that he was going to Israel
on business for two weeks and needed to borrow $5,000.
The bank officer told him that the bank would need some form of security for the loan.
The Jewish man handed over the keys to a new Ferrari parked on
the street in front of the bank. He produced the title and everything
checked out.
The loan officer agreed to accept the car as collateral for the loan.
The bank's president and its officers all enjoyed a good laugh at the
Jewish man for using a $250,000 Ferrari as collateral against a $5,000 loan.
An employee of the bank then drove the Ferrari into the bank's underground garage and parked it there.
Two weeks later, the Jewish man returned, repaid the $5,000
and the interest, which came to $15.41.
The loan officer said, "Sir, we are very happy to
have had your business, and this transaction has worked out
very nicely, but we are a little puzzled. While you were away, we
checked you out and found that you are a multimillionaire. What
puzzles us is, why would you bother to borrow $5,000?"
The Jewish man replied: "Where else in New York City can I
park my car for two weeks for only $15.41 and expect it to be there
when I return?"
Ah, der Yiddishe kop.

1268.

Die Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse versuchte soeben, ihr Unbehagen am Gebot, den schönen roten Ferrari unter allen Umständen zu loben, auf irgendeine mehrheitsfähige Weise zu formulieren, und die Kreativleitung schwitzte bereits beim Zugucken, aber beide wurden aus ihrer Zwangslage recht zwanglos erlöst, indem der erzählende Kranich seinen Schnabel, gefolgt von seinem nicht kurzen Halse zur Tür hereinstreckte, in ihm ein kleines Zettelchen überreichend, auf dem ein Unbekannter einen Witz für eine B-Ebene zum Vorschlag gebracht hatte.

Dienstag, 7. Dezember 2010

1267.

Man muss auch mal das Positive an den schönen roten Ferraris sehen, sagte die Gattin des ehemaligen Chefs beim Tee zu ihrem Gatten, als dieser sich mit letzter Kraft ereiferte über den Wahnsinn, von welchem die jüngste Maßnahme der Chefin zeuge, sie haben sich wirklich lange bemüht und verdient gemacht um Stadtbild und Landschaft, Individualverkehr und Motorsport, und ihre ungeheuerliche Zudringlichkeit, Übergriffigkeit und Platzbesetzung um jeden Preis, nur weil irgendein Idiot in der EinSatzLeitung irgendwann mal gesagt zu haben scheint, er fände rote Ferraris toll und wohl auch mal einen gefahren hat - geil, hat er gesagt, korrigierte der ehemalige Chef eifrig, denn er legte bei allem Widerwillen gegen so ein Wort Wert auf korrekte Wiedergabe - und man muss sehen, fuhr die Gattin des ehemaligen Chefs relativ unerbittlich fort, dass da nun auch ein Anspruch gewachsen ist und eine positive Sicht der Dinge und eine Versöhnung zwischen den Vertretern der roten Ferraris und denen der schwarzen Alfa Romeos anstünde, aber papperlapapp, sagte der ehemalige Chef verärgert, das hätte man viel früher stoppen müssen, dass da die roten Ferraris sich in der Gegend so ausbreiten, nur mit dieser Politik der demonstrativ und zum Schein geöffneten Arme kann die Chefin doch nur noch mehr verlieren, das muss ihr doch mal jemand stecken, ottrrr?

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