Die EinSatzLeitung schreibt mit Gästen ein Buch. Pro Tag darf jede Person einen Satz einsetzen, die EinSätze werden fortlaufend numeriert. Auf der B-Ebene gibt es längere narrative Stücke. Die EinSatzKräfte und ihre Texte sind sämtlich rein fiktiv und frei erfunden. Alle Rechte bei der Autorin.
Sonntag, 8. August 2010
1149.
Üblicherweise pflegte die Chefin bei der Kreativleitung Rat zu suchen, wenn sie von ihren etwas vielfältigen diplomatischen Aufgaben erschöpft war, aber an diesem Abend seufzte die Kreativleitung in den Hörer, was machst du eigentlich, wenn dir innerlich der Respekt wegrutscht vor dem Gequatsche der Leute - du bist doch auch gebildet und ziemlich gut darin, ihre Absichten und Hintergründe realistisch abzuschätzen - wie hältst du es aus, und die Chefin sagte, anders als du muss ich ja nicht auch immer noch was produzieren, und nur ein bisschen Vernunft zur Sprache zu bringen, das geht schon, wenn man es nicht gar zu ernst nimmt und ein paar allgemein bekannte, von den Leuten in ihren Eifereien aber immer gern vergessene Regeln beherzigt und zur Geltung bringt.
Freitag, 6. August 2010
1148.
Irgendwo in Ghana an der Polizeihochschule flippte einer völlig aus, weil er, als er am Morgen seine Mailbox öffnete, das Postfach überschwemmt fand mit hunderten von Mails, in denen nur eine einzige Botschaft zu lesen war: Lasst Mr. Precuneus bei der EinSatzLeitung - und er ging erstmal in das Büro seines Kollegen, in dem schon drei andere saßen und an diesen scharfen Stangen knabberten, die sie da immer haben, so würzige spitzige, und alle hatten solche Probleme mit ihren Postfächern gehabt und schimpften sich gegenseitig aus, weil keiner so genau wusste, wie viele EinSatzKräfte es dort im fernen Berlin eigentlich gab und wie es deren Techniker dahin gebracht haben konnten, einen solchen Unfug zu machen und wer von denen dahinter stecken konnte, denn der Buchhalter konnte es ja kaum sein, von dem hatte Precuneus doch nur die komischsten Dinge berichtet, aber eine Kollegin war sicher, dass es alles wieder auf das Konto dieses Zauberwesens namens Mo gehen musste, das anscheinend einer ganzen Armee elektronischer Kobolde vorstand, anders konnte es ja kaum sein, und bei der Idee schnalzte die Kollegin mit der Zunge und ließ ihre Finger wie im Eiltempo eine Hundertschaft Kobolde nach der anderen herzählen, was glaubt ihr, sagte sie noch, warum er mit seinem Bericht nicht rüberkommt, wenn das nicht das Problem ist.
Donnerstag, 5. August 2010
1147.
Mr. Precuneus war nicht dafür bekannt, dass er sich bei jeder Gelegenheit verfärbt hätte, aber als der Brief kam, in dem ihm mitgeteilt wurde, dass er zum bevorstehenden Herbst endgültig in seine Heimat zurück müsse, verfärbte er sich mindestens innerlich ein wenig und überlegte, wen er zuerst anrufen und um Mithilfe bei aufschiebenden oder verhindernden Überlegungen bitten könne.
Mittwoch, 4. August 2010
1146.
Der ehemalige Chef fühlte sich ein wenig vernachlässigt, als seine Gattin mehrere Stunden fernblieb und in diesen Stunden niemand anrief, um ihn um Rat zu fragen und sich sagen zu lassen, hören Sie, junger Mann, das müssen Sie so und so sehen, und er dachte, wozu macht man eigentlich eine Verschwörung, wenn dann trotzdem niemand anruft?
Dienstag, 3. August 2010
1145.
Es hat sich so verändert, sagte Dame Ö entzückt, als sie ein Kleinchen auf einem kleinen Laufauto begrüßen musste, bevor sie die Leitung Ö ins Gebet nehmen konnte, welche der älteren Kollegin (sie hielt sie für sehr gefährlich) das Entzücken natürlich nicht glaubte, aber doch nicht umhin konnte, es mit den üblichen Wangenküsschen zu beglaubigen.
Montag, 2. August 2010
1144.
Karomütze sonnte sich in seiner Globensammlung, indem er sich in dem Raum mit den von innern durch Glühlampen erleuchteten Globen aufhielt, denn anders als die anderen vertrug er den Sommerregen nicht so gut wie zuvor die Hitze.
Sonntag, 1. August 2010
1143.
Pestvogels, immer noch vergrämt, hatte sich angewöhnt, an Sonntagen die Zeitungen und Zeitschriften und elektronischen Medien zu studieren und nach ornithophoben Elementen zu durchsuchen, denn in letzter Zeit häuften sich die vogelfeindlichen Parolen in bedenklichem Maße, und in einer Mischung aus gequältem Bestätigtsein und bestätigtem Gequältsein nahm er zur Kenntnis, dass in einer bekannten Fernsehsendung eine Frau zu einer anderen sagte, "Sie sind vielleicht ein dreister Vogel."
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