Freitag, 7. Mai 2010

1060.

Während Karomütze seinen Alfa aufrüstete, weil er auf eine Wochenendspritztour in seinen Lieblingspolder fahren wollte (und diesmal wollte er nicht beim Kwaliteitswart und der allgemeinsten Verteidigung vorbeischauen, nein-nein), rief er bei Mr. Precuneus an, um zu fragen, ob er nicht mitkommen wolle, aber der sagte, ich würde zu gern, aber ich habe auch schon die Brunch-Einladung beim ehemaligen Chef abgesagt, weil ich meinen Bericht immer noch nicht abgeschlossen habe, so ist es mir noch nie gegangen, der Fall ist einfach nicht abzuschließen, und aus der Polizeihochschule drängen sie so!

Donnerstag, 6. Mai 2010

1059.

Der Regen wusch die Pollen aus der Luft, so mußte die Dame Ö nicht niesen, und die Augen der Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse und den ewig rotgeränderten Augen waren gar nicht so rotgerändert wie sonst, wenn der lila Flieder wieder blühte.

Mittwoch, 5. Mai 2010

1058.

In diesem Monat ist es unbedingt empfehlenswert, nachts die Grünanlagen aufzusuchen, wisperte Mo Mr. Precuneus zu, und ihre Augen leuchteten tiefgelb aus dem grauen Gesicht, Sie werden da etwas hören, das in ganz Europa legendär ist, Sie werden die Nachtigall schlagen hören, was ist das, sagte Mr. Precuneus, der sich an das Sie allmählich gewöhnte, ist das eine Schlägertruppe, o nein, lachte Mo, das ist ein winziger Vogel, dessen Stimme in den Menschen, wie man sagt, Saiten anschlägt, die… fahren Sie einfach los, Tiergarten, Hasenheide, völlig egal, man weiß nicht warum, aber diese Tiere scheinen ein völlig unerklärliches Motiv zu haben, Menschen, welche nachts unterwegs sind, zu beglücken, und Mr. Precuneus fand das immer noch irritierend, wegen des Schlagens und der vielen Bedeutungen dieses Wortes, ein kleiner schlagender Vogel, ein schlagendes Herz, ein Kind wird geschlagen, und im Fußball schlagen die einen die anderen, wenn man aber in einen Kampf zieht, schlägt man sich wacker, und wenn nicht, dann wenigstens auf eine Seite, die spinnen doch, die Deutschen, tun sie auch, sagte Mo, aber die Nachtigallen sollten Sie wirklich nicht versäumen, vielleicht darf ich in Ihrem Fahrradkorb mitfahren, ich zieh auch die Krallen ein, Krallen, fragte Mr. Precueneus, Mo soll Krallen haben?

Dienstag, 4. Mai 2010

1057.

"Natürlich Zwei-Staaten-Lösung, für wen halten Sie unseren Gast aus Ghana, er würde sich nicht einfallen lassen, in einer Angelegenheit, die so klar ist, anders als die Mehrheit der betroffenen Völker…" sagte die Chefin soeben ins Telefon, und sie schüttelte noch den Kopf in verdutzt-empörter Zurückweisung einer externen Unterstellung, als die Leitung der Abteilung Öffentlichkeit nach weniger als der Andeutung eines Anklopfens in ihr Büro gestürmt kam, um Unverschämtheiten auszustoßen, die locker auf zehn Minuten hätten gestreckt werden können, ohne den geringsten Schaden zu nehmen an ihrer kompakt unpassenden Heftigkeit, aber die Chefin wäre natürlich nicht die Chefin gewesen, wenn sie nicht durch einen Blick und eine Geste die stürmische Kollegin hätte aufhalten können, bis diese sich schließlich auf dem Platze gegenüber der Chefin wieder fand und zugab, daß die Abmahnung angemessen gewesen war, und ja, sie hatte Informationen an der falschen Stelle herausgegeben und an der falschen Stelle zurück gehalten, und ja, es war dadurch ein Schaden für die Kreativabteilung entstanden, und ja, sie hatte es aus Neid und Eifersucht getan, und ja, es hatte ihr auch ordentlich Gewinn gebracht, welchen sie nun womöglich der EinSatzLeitung schulde, und nein, sie habe dabei kein Unrechtsbewußtsein gehabt, da sie ihr Standing für gesichert genug gehalten und im übrigen sich andererseits immer zurückgesetzt gefühlt habe - so war es denn abermals an der Chefin, sich in Selbstbeherrschung zu üben und die Fassungslosigkeit über die Erkenntnis, daß eine Mitarbeiterin ihrer EinSatzLeitung so etwas getan hatte und dann auch noch gegen sie, die Chefin selbst, hatte unverschämt werden wollen, ein wenig aufzuschieben, sie entließ die Kollegin, die nun ja immerhin geständig, wenn schon nicht reumütig war, in einen Kurzurlaub, kündigte Konsequenzen an und sagte, als die Tür geschlossen war, zu sich selbst - es ging auch wirklich sonst niemanden etwas an - ich hab sie immer gern gehabt, ich würde sie noch gern behalten, aber so etwas geht doch nicht, und nach einem kleinen Getrommel auf der Schreibtischplatte, wenn ich sie aber nicht behalte, wird man mir die Freundschaft mit der Kreativleitung übel auslegen und sie wird draußen feindselig und mit interner Kenntnis weiter agitieren, da kann die sicher richtig gefährlich werden, und nach einem weiteren Getrommel, ich muß den Demokratiebeauftragten zu Rate ziehen, wahrscheinlich ist es sogar etwas für die Sitzung, und für einen Moment schloss sie die haselnußbraunen Augen, lehnte den Kopf an den oberen Teil ihrer sehr hoch gezogenen Stuhllehne, und seufzte in Erinnerung an die Zeit, in welcher sie selbst noch nichts weiter gewesen war als eine alleinerziehende Demokratiebeauftragte, trotzdem, sagte sie dann, ich wäre dem Chef doch nie soo gekommen!

Montag, 3. Mai 2010

1056.

Ich sehe hier ein Potential, summte der Chefunterhändler des Alfa-Romeo-Ladens an der Hauptstraße der Provinzmetropole, als der Vertreter eines expandierenden Batterie-Unternehmens ihm Visionen von einem Elektro-Alfa vorstellte, und schloß genießerisch die Augen.

Sonntag, 2. Mai 2010

1055.

"…has a lot to do with how you live today…" brummte Mr. Precuneus und schüttelte den Kopf, denn in dieser BBC Diskussionsrunde, "all male, of course," waren alle sehr engagiert für den Frieden und die große Sache, und man konnte genau sehen, wer wirklich aus den kritischen Gebieten kam, und wer für sie sorgte, denn die Sorgenden trugen feine Stoffe und manikürte Hände, und wenn sie schlecht rasiert waren, dann mit Absicht, aber der aus den kritischen Gebieten war schlecht rasiert, weil er vielleicht gerade erst angekommen war, "third class," seine Jacke war ein bißchen bunter und ein bißchen billiger, und obwohl er nichts Böses sagte, wurden sie mit ihm schnell ungeduldig, oder - der Moderator, all male - betont geduldig, "es geht nie anders," sagte der Diskurswart, der die Schicht mit schob, "was regen Sie sich da noch auf, ach Sie sind ja sch…" "you're most welcome," sagte Mr. Precuneus, und, "was ich am Deutschen so schön finde ist, daß man, wenn es einem langt, jemandem eine langen kann," aber er tat es natürlich nicht und war nicht so sicher, ob das nun wieder richtig gewesen war, denn irgendwann geht sowas nach innen los, dann sind sie doch auch nicht zufrieden.

Samstag, 1. Mai 2010

1054.

Meinen Sie, wir könnten vielleicht heute, am 1. Mai, mal wieder ganz vorsichtig über die eigentlich relevanten Probleme sprechen, fragte in eigentümlicher Schüchternheit die Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse den Kollegen Demokratiebeauftragten, mit welchem sie an diesem Tage gemeinsam Schicht hatte, was meinen Sie denn, fragte der Demokratiebeauftragte, der schon ahnte, daß es unangenehm werden könnte, denn die stellte immer so blöde Fragen, na dieses höchst ambivalente Burka-Verbot zum Beispiel, sagte die Minderheitlerin, wird es nicht, wenn man es auch hier einführt, nur dazu führen, daß mehr Migrantinnen mitten unter uns eingesperrt werden in Häuser und Hinterhöfe, und der Demokratiebeauftragte sagte, aber wie will man denn klar machen, daß man solche Symbole der Gefangennahme und Anonymisierung mißbilligt, wenn man es nicht in Gesetzen ausdrückt, da sagte die Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse, das ist es ja gerade, darüber will ich ja gerade sprechen, bringt doch nichts, sagte der Demokratiebeauftragte, bringt nur Ärger, und den betroffenen Frauen tut man damit auch keinen Gefallen, ach, seufzte die Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse, immer diese quietistischen Argumente, selbst noch am 1. Mai, und er dachte, sie ist schon ganz schön repressiv, diese Person, aber irgendwie würden die Stunden herumgehen.

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