Die EinSatzLeitung schreibt mit Gästen ein Buch. Pro Tag darf jede Person einen Satz einsetzen, die EinSätze werden fortlaufend numeriert. Auf der B-Ebene gibt es längere narrative Stücke. Die EinSatzKräfte und ihre Texte sind sämtlich rein fiktiv und frei erfunden. Alle Rechte bei der Autorin.
Mittwoch, 7. Januar 2009
573.
Mo schaute in den Schnee und war enttäuscht, denn es war sehr kalt, die Scheiben beschlagen, niemand ging mit ihr nach draußen, und überhaupt hatte sie sich alles ganz anders vorgestellt, denn sie konnte wohl fühlen, aber in keiner Weise verstehen, wie ein Ereignis in der Welt mit einem anderen zusammenhing, und warum das eine alle so sehr beschäftigte und das andere nicht, und die Kreativleitung sagte, siehst du, wegen dieser deiner Verständnislosigkeit bist du so lange gefangen gewesen und so klein geworden, und Mo machte große runde Augen, denn das hatte sie von der Kreativleitung nun nicht erwartet, aber vielleicht hatte sie es auch gar nicht wirklich verstanden?
Dienstag, 6. Januar 2009
572.
Der Demokratiebeauftragte war mal wieder dabei, ein paar Leitsätze zum Thema Demokratie zu formulieren, das muß man ja immer wieder aufs Neue machen, sagte er zum Oberassistenten, welcher meinte, das werde doch alles überschätzt, und, wie willst du denn bitte mit ein paar müden Leitsätzen irgendwen dahin bringen, einen Vorteil, den er haben könnte, nicht zu nehmen, im Grunde bist du doch ein verhinderter Klosterbruder, sagte der Oberassistent gerade, als die Dame Ö, wie ihr Nachwuchs gesagt haben würde, in der EinSatzLeitung "aufschlug" (und sie würde in Erwiderung vielleicht gesagt haben, wie niedlich, bin ich denn ein Komet, noch besser erschien es ihr freilich meist, so zu tun, als merke sie gar nicht, wie diebisch so ein Nachwuchs sich freuen kann, wenn er denkt, es sei ihm mal wieder gelungen, die Alte zu verlaunen und ein Modewort an ihr vorbei zu schmuggeln, während die nämliche Alte gerade in solchen Momenten, in denen sie die diebische Freude auf dem Gesicht des Nachwuchses sah, den Eindruck hatte, am meisten über ihren Nachwuchs zu erfahren, ein Nähe- und Erkenntniserlebnis, für das sie manche Unterschätzung ihrer Aufmerksamkeit mit allenfalls leicht bewegter Braue gern in Kauf nahm), ihre Handschuhe von den Fingern zog, den Mantel aufhängte, ihre Ohren in Richtung des Oberassistenten aufsperrte, um dann resoluten Schrittes in das Demokratiebüro zu gehen und zu sagen: jetzt hört ihr bitte mal einen Augenblick an, was eine ältere Dame zum Frieden zu bemerken hat, da wäre erstlich zu sagen, daß ein veritabler Friedensengel nicht mit dem Make-up und nicht einmal mit den Flügeln zuerst gebaut wird, sondern wie jeder gute Mensch mit den Knochen, und die Knochen einer Friedensbotschaft bestehen aus Wahrheit, Respekt und fairem Handel, ist das nicht so, wenn man aber stattdessen Friedenswimpelchen schwenkt und sagt, schaut wie schön ich aussehe in meinem neuen Friedensdesign, aber nebenher weiter dem Gegenüber heimlich in die Taschen langt und ihm bei der Versorgung das Wasser abgräbt, dann hat man wohl kaum Grund zu der Annahme, daß man bei einem halbwegs intelligenten Gegenüber auf irgendein Interesse treffen werde mit dem Wunsch, er möge in Zukunft immer sagen Brutus is an honorable man, mein Vorschlag lautet also, wenn Sie mal wieder Leitsätze formulieren, mein lieber junger Kollege Demokratiebeauftragter, empfehlen Sie den Grundsatz eines bedeutenden Mannes, welcher zu sagen pflegte "Tun, was man sagt, und sagen, was man tut," das ist die erste Regel aller Politik, Sie werden sehen, wie sich über eine gesunde Handelsbeziehung und ein aufrichtiges Wort (etwa: ja, ich habe dir hier etwas weggenommen, und ja, ich wollte das auch gern haben, aber ich will doch nicht, daß du deswegen im Elend lebst, und können wir nicht eine Lösung finden, die uns beiden das Gesicht wieder herstellt, auch wenn deine verständliche Wut einstweilen nicht wirklich durch irgendeinen "Sympathiezauber" zu überbrücken ist) unter halbwegs vernünftigen Menschen ganz zwanglos neue Ideen einstellen und manchmal sogar ein überraschend freundschaftliches und dem Verzeihen günstiges Klima - aber dazu, meine Herren, muß man natürlich erwachsen genug sein zu verstehen, daß man manche Dinge nicht festhalten kann, daß man Fehler macht, daß man sich selbst täuscht - und daß keine Selbsttäuschung dadurch besser wird, daß man allen anderen abverlangt, diese Täuschung nun auch zu ihrer eigenen zu machen, mit anderen Worten, das Ende der Demokratie beginnt da, wo man selbst unehrlich ist und andere auch dazu zwingen will, die eigenen Unehrlichkeiten zur ganz ehrlich und authentisch formulierten eigenen Sache zu machen, oder so ähnlich, und sie überschlug sich immer mehr, fiel sich ins Wort, und ... ach, sagte sie dann, war wohl nichts, ich bin nicht zur Rednerin geboren, aber Sie verstehen, was ich meine, erst die Knochen, dann das Make-up, das war eigentlich die Regel, die ich meinte, und der Oberassistent schwieg verblüfft, während der Demokratiebeauftragte den Kopf schüttelte, sagte, ich komme später auf Sie zu, und weiter an seinen Leitsätzen bastelte, für die er einen gewissen Bausatz in seinem Kästchen hatte, den er durchaus wertvoll fand.
Montag, 5. Januar 2009
571.
Eine der ersten, die sich am Montagmorgen in der EinSatzLeitung wieder einfanden, war die Assistentin K, die im "Bistro" mit Karomütze zusammentraf, welcher sich freiwillig bereit erklärt hatte, die Räumlichkeiten der EinSatzLeitung zwischen den Jahren zu warten, und ihr nun beim Morgenkaffee erzählte, wie er am Tag vor Sylvester mit einem befreundeten Techniker nebst Werkzeugkoffer in den Geräteraum der EinSatzLeitung gegangen war, um zu klären, warum es zu dem Absturz des Kommunikationssystems gerade vor Weihnachten hatte kommen können – es habe sich jedoch sogleich herausgestellt, daß alle Werkzeuge völlig überflüssig waren, denn irgendjemand hatte ganz einfach ein paar Anschlüsse herausgerissen, die nun wieder zusammengesteckt werden mußten, das war alles, und der befreundete Techniker habe gesagt, das hättest du wirklich selbst herausfinden können, Karomütze aber habe bemerkte, er sei nur telefonisch darüber informiert worden und hätte eigentlich sogleich gemeint, es höre sich für ihn weniger nach Zufall und technischem Defekt und mehr nach „intelligent design“ an, ein Ausspruch, welchen der Demokratiebeauftragte sofort völlig humorfern nicht als einen Scherz, sondern als ein weiteres Zeichen für Karomützens paranoide, in den religösen Wahn spielende Unzurechnungsfähigkeit aufgefaßt habe, woraufhin Karomütze das Gespräch erstmal abgebrochen habe, denn was willst du mit so einem reden, sagte er nun zu Assistentin K, es ist nicht einmal klar, ob der überhaupt einen Führerschein hat, sagte Karomütze, also mir jedenfalls nicht, und auch die Sache mit dem Techniker, der ihn des falschen Alarmismus geziehen hatte, habe er nur wieder hinbiegen können, indem er mit diesem gemeinsam zur Party des Kumpels von der GSG 9 gegangen sei, wo man bis zum Mittag des Neujahrstages in wechselnden Besetzungen durchgefeiert habe, und ob das nun so der ideale Jahresanfang war, weiß ich ja nicht, sagte er, aber die Assistentin sagte, hört sich doch insgesamt amüsanter an, als was wir hier (dabei schaute sie auf ihren Bauch) erlebt haben, wir waren nämlich einfach krank im Bettchen, völlig unintelligentes Design, fügte sie hinzu, immerhin war immer jemand da, der einen kleinen Tee gebraut hat, das macht dann doch auch schon Spaß, sagte sie, und irgendwie fanden sie es ganz nett, einander milde zu bedauern und zu ermuntern angesichts ihrer schweren Feiertagsschicksale.
Sonntag, 4. Januar 2009
570.
Im Grunde, sagte der ehemalige Chef zu seine Gattin, als sie nach dem sonntäglichen Mittagsmahle und der ihn doch beunruhigenden Lektüre seiner Zeitungen behaglich auf ihren Garten hinausblickten in den langsam und dünn fallenden Schnee, der sich zwischen den Grashalmen sammelte, im Grunde finde ich sie sympathisch, die Tschechen, sollen sie sich doch ein wenig streiten mit ihrem Präsidenten, sie werkeln tapfer an ihrem Ratsvorsitz und ihren EU-relevanten Einsätzen herum, sie wirken so unverbraucht auf dem uns allzu vertrauten Parkett und haben diesen speziellen osteuropäischen Humor und Charme, ich wüßte gar nicht zu sagen, warum ich den so erfrischend finde, und die Gattin antwortete mit hintergründigem Lächeln, vielleicht ist es einfach, daß sie das Leben im Schatten einer zum Finstern neigenden Autorität gut und lange kennen, und ebenso gut und lange die Sehnsucht nach westlichen Freiheiten festzuhalten gelernt haben, etwas lacht doch in denen darüber, daß sie nun zu ihrer eigenen Überraschung wirklich tanzen dürfen, und sie scheinen sich auf hinreißende Weise aller merkwürdigen Dinge, die noch an ihnen kleben, gar nicht zu schämen, wie kämen sie auch dazu, haben sie doch schon ganz lange ganz viel gelesen und geschrieben und alle, was am Westen gut ist, so sehr geliebt, vielleicht wissen sie sogar, daß jede der westlichen Idiotien und Selbstgefälligkeiten und Verlogenheiten, die sie in ihren Wäldern und altmodischen Industrieanlagen ebenso verschlafen haben wie irgendeinen rechthaberischen kleinspießig "werteorientierten" Dumpfprahlsinn, sie eher schöner machen, und der ehemalige Chef fand, dies habe seine Gattin wieder einmal sehr klug beobachtet, fühlte sich aber (etwas an ihrem Lächeln bei der Kombination der Wörter "Schatten" - "Finster" - "Autorität" störte ihn empfindlich im Hintergrund seines Ohres) doch bemüßigt zu bemerken, daß "wir" es auch nicht so schlecht gemacht haben, und daß nicht einmal Supersarko es geschafft habe, im Nahen Osten abschließend noch einen großen Erfolg einzufahren, das sei schließlich nicht dessen Schuld, sicher, antwortete seine Gattin, seine Schuld ist es nicht, ich tu mich da sowieso ein bißchen schwer mit Schuld, aber ich teile deine hoffnungsvolle Freude am Anblick der Neuen aus Prag durchaus.
Samstag, 3. Januar 2009
569.
"Going on dedoubling, dedoubling," summte das Kind, das gemeinsam mit seiner Mutter und dem Demokratiebeauftragten die genesende Kreativleitung besuchte und mit Mo zusammen an einer Liste von Wörtern mit "Doppel-" saß, sie hatten schon den Doppelwhopper und den doppelten Rittberger, den einfachen Doppeldecker und die Doppelhaushälfte, und nun fragte das Kind, Mama, was ist eigentlich Doppelmoral, worauf die Chefin zu einer längeren Erklärung ansetzte: Doppelmoral ist, wenn einer - zum Beispiel - immer dann mit Recht oder Zwang kommt, wenn es gut für ihn ist, sobald es schlecht für ihn wäre, aber sehr großzügig an allen Rechten vorbeischaut, also nehmen wir mal an, einer verweigert sich einer außergerichtlichen Einigung in einer Sache, in der er Grund hat zu vermuten, daß ein Gericht ihn besser stellen würde als ein irgendwie mediiertes Gespräch im außergerichtlichen Vergleich, daraufhin geht die erwartungsgemäß gerichtlich besiegte Seite davon aus, daß dieser "Gegner" auch in allen anderen Fragen ausschließlich in gerichtlicher Sprache vorstellig werden würde, und bemüht sich, da es sich um eine sehr empfindliche Angelegenheit handelte, nicht weiter um irgendein beschönigendes pseudokommunikatives Getue, erst recht nicht um Person und Ergehen der zur Gerichtsinstanz gewordenen Person, der Sieger scheint einstweilen zufrieden mit seinem Sieg und stellt keine weiteren Forderungen, die er doch, wenn er das Recht voll ausreizen wollte, durchaus stellen könnte, kommt dann aber Jahre später auf die Idee, es sei ihm mächtig etwas entgangen, und, bestärkt in dieser Idee von wohlmeinenden anderen, die immer gern dabei sind, wo kollektiv Steine zu werfen sind, bedient er sich nunmehr einiger hochillegaler Methoden des Raubes an einer vollkommen entrechteten Person, unter der Prätention, sich als eine Art Robin Hood das zu holen, was ihm immer schon zugestanden habe, zugleich aber mit der Hilfe eines reichen Tycoons, der für den echten Robin Hood, von dem man nie gehört hat, daß er irgendwelche Prozesse geführt habe, eher ein zu Beraubender als ein immer schon freigesprochener Miträuber gewesen wäre - das ist Doppelmoral, und wenn du willst, kannst du dazu den Tycoon als einen ordentlichen Doppelwhopper malen, sagte sie noch, aber dann sah sie, daß ihr Kind etwas verständnislos dreinschaute, während Mo schon eifrigst kritzelte, und guckte ihrerseits hilfesuchend den Demokratiebeauftragten an.
Freitag, 2. Januar 2009
568.
Die Helligkeit eines verschneiten Januarmorgens, was kann es besseres geben, dachte die Kreativleitung, als sie nach mehreren Tagen im Krankenbett beschloß, einen ersten Wutanfall, welchen sie in der Nacht ihren Wänden zu hörbarem Protokoll gegeben hatte, als Zeichen für eine ausreichende Kräftigung zu nehmen, um sich heute für "genesen" zu erklären, das Bett und den Nachtschrank mit den Medikamenten aus dem Sichtfeld zu verbannen und sich ernsthaft an den Schreibtisch zu setzen; als sie diesen Beschluß "umzusetzen" begann (so ein bescheuertes Wort, ausgerechnet das kommt den Leuten immer erstaunlich leicht von den Lippen) fühlte es sich noch etwas seltsam an, aber die bloße Idee von Kaffee war Anreiz genug um durchzuhalten, und als sie, während das Wasser in der Küche heißer wurde, mit Schal und dem dicksten Pullover, den sie finden konnte, auf den Balkon trat, hörte sie zu ihrer Überraschung seltsames Vogelzwitschern wie von einem Starenschwarm, wo kommen die denn jetzt her, dachte sie, aber nirgends waren die deutlich hörbaren Tiere zu sehen, und als sie wieder in ihr Zimmer zurücktrat, klingelte es an der Wohnungstür, vor der eine verschmitzt dreinschauende Dame Ö stand, in der einen Hand das Bündel, aus der ein rotnasiges Mo sein bemütztes Köpfchen streckte, in der anderen Hand eine kleine Christrose, und die Kreativleitung bat beide erfreut herein, Dame Ö inspizierte sofort die herumliegenden Medikamentenschachteln und bemerkte beiläufig: gestern nacht war die Assistentin K schon einmal hier, um nach Ihnen zu schauen, hat eine Weile vor der Wohnungstür gestanden, ist dann aber wieder abgedreht, weil sie hörte, wie unflätig Sie hier vor sich hin geschimpft haben auf alle möglichen speziellen Objekte Ihres Zorns, deren Beleidigung sehr zu fürchten wäre, wenn die das gehört hätten, und die Kreativleitung lächelte und sagte, man wird ja wohl zuhause noch einmal seinen Schimpfkanonadenvorrat besichtigen dürfen, diese Dinge gehören schließlich auch zum Arbeitsmaterial, und wenn es keiner hört, kann auch keiner beleidigt sein, möchte ich meinen, der Lauscher an der Wand freilich, der hört womöglich auch 2009 noch seine eigene Schand, und ja, sagte sie, die Leute, die reine Herzen wollen, habe ich schon immer für "dirty dreamers" gehalten, sehen Sie einen Anlaß, hier ernsthaft hinter gewisse Fortschritte der Aufklärung über uns selbst zurückzugehen (selbstverständlich schüttelte Dame Ö verneinend den Kopf) und wenn ich selbst oder dieses Wesen hier - und dabei kraulte sie das Mo ein wenig unter dem Kinn, was dieses sich gern gefallen ließ - oder irgendwer anders doch irgendwo etwas wie ein reines liebevolles Herz haben sollten, dann würden wir das den Herrschaften, die in absentia zu beschimpfen ich mir nächtens die häusliche Freiheit genommen habe, sicherlich zu allerletzt andienen, nicht wahr, man freut sich unserer unreinen Liebe oder läßt es bleiben, sagte sie, und sie setzten sich zu fröhlicher Runde an ihren Frühstückstisch und freuten sich über den Blick in den verschneiten Hof, und wer an Bedrückendes denken mochte, sprach es für diesmal nicht aus, zu kostbar erschien ein Augenblick, in dem im Schneelicht Heiteres zu beplaudern sein mochte.
Donnerstag, 1. Januar 2009
567.
"Ergänzen Sie die Zahlenreihe, indem Sie bei 1 anfangen," dachte der Buchhalter, und fragte sich, ob er dann auf eine Reihe 123-567-9.10.11 usw.setzen sollte oder eher auf eine andere, punktlose Form der Rotation, etwa 123-567-912-456-891-345 usw., und so wäre das Ordentliche und Regelmäßige wieder einmal fast an ihm gescheitert, der doch just dafür zuständig war, aber die Chefin hatte sich gut vorbereitet, schob seine Unterlagen leise zur Seite, nahm das Mikrophon an sich und setzte dazu an, eine kleine Neujahrsrede zu halten, nichts Großes, sagte sie, nichts Spektakuläres, an die Abschieds-Sylvesterrede unseres ehemaligen Chefs vom letzten Jahr kommt doch nichts heran, sagte sie, Tiere sind wir alle geblieben, der Respekt gegenüber dem Tierischen in uns hat sich im Weltmaßstab nicht wesentlich verbessert, mögen sich auch hier und da kleine Lichter gezeigt haben, und so habe ich mir gedacht, ich erzähle den Menschen lieber von einem seltsamen Traum, den ich hatte, als ich, müde wie heute sicher alle hier, doch an meinen Schreibtisch gehen mußte und also wenigstens im Traum schon einmal den Computer einschaltete, der Computer stand auf einem Tisch seltsam über mir, und als ich ihn aufklappte (ich benutze ein Lap-Top) rieselte mir unerhört viel kalter Schnee ins Gesicht und ich sah, daß der Tisch, an den ich gegangen war, unter einem riesigen Flugzeug stand, und dieses Flugzeug, auf einer Rollbahn vor einem tief verschneiten Wald stehend, hielt nicht allen Schnee fern, sondern gab selbst noch weiteren Schnee ab, und während ich im Computer trotz des Schnees und der fürchterlichen Kälte, die mir zusetzte, nach den neuesten Nachrichten suchte, hörte ich eine seltsame Stimme aus einer gewissen Ferne, die mir sagte, daß die Kampfhandlungen allerorten beendet seien - nun, jeder, der mich kennt, wird wissen, daß so etwas eben immer nur ein Traum ist in dieser Welt, aber alles, was ich den Menschen heute und zum Neuen Jahr zu sagen wünsche, ist eigentlich, daß mit Schnee und ohne Schnee solche Träume doch nicht vergessen werden dürfen, wenn man immer wieder den Mut zu den kleineren realen Schritten zu finden wünscht, und als ich aus dem Traum erwachte und meinen wirklichen Schreibtisch in alter Höhe und meinen wirklichen Computer unverschneit fand, ein wenig Schnee auf den Dächern der Nachbarhäuser und in feinen Flocken in der Luft sah, und als ich dann hörte, wie in der Nachbarschaft ein kleines Baby weinte, da habe ich meine vorbereitete Rede vergessen und gedacht, ich kann Ihnen ebenso gut meinen Traum erzählen und allen ein Gutes Neues Jahr wünschen, und mit diesen Worten knipste sie das Mikrophon wieder aus, raschelte ein wenig mit ihren Papieren herum, belustigte sich über den wieder in seine Zahlenreihen vertieften Buchhalter und erhob sich, um nachhause zu gehen und nachzuschauen, ob das Kind schon aus seinem schweren Post-Party-Schlaf erwacht und ansprechbar für ein gutes Frühstück wäre.
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