Dienstag, 7. Juni 2011

1422.B

Die Chefin vom Dienst, welche seit Jahren ihren Dienst in der EinSatzLeitung in leitender Funktion verrichtete, veroeffentlichte als letzte Handlung auf der Textebene die folgende Ankündigung: Diejenige Person, die in den vergangenen Tagen aus der im Umbau befindlichen EinSatzLeitung folgende Gegenstände wissentlich oder in ahnungsloser Schlamperei entwendet hat, nämlich eine Personenwaage, einen Satz Bohrer sowie eine Elektroplatte für die altmodisch italienische Zubereitung von Espresso, darf sich das Verdienst anrechnen, uns hier auf vielen Ebenen zur Verschärfung der Sicherheitsmaßnamhen angeregt zu haben. Wir halten dank ihres Einsatzes hiesigenorts nunmehr auch da Verschwinden eines in sich nicht übermäßig wertvollen, uns hier aber substantiell kostbaren Ringes, nicht mehr für einen dummen Zufall oder einen internen Fehler, sondern erkennen uns als gewarnt.
Der Titel des kommenden Blogs aus unserem Hause wird in Kürze bekannt gegeben. Die Grundregel des EinSatzBuches wird erhalten bleiben, aber einige inhaltliche Änderungen stehen ins Haus. Wir freuen uns auf weiterhin rege Teilnahme.

1422.

Die Chefin und die Kreativleitung hatten lange überlegt, wie sie ihr letztes Gutachten nennen sollten: der Chefin war immer so droeges Zeug eingefallen wie: "die seelische Gesundheit unter den Bedingungen der voelligen Entrechtung" oder: "kann man bei rechtlosen und Gewalt ausgesetzten afghanischen Mädchen von 'seelischer Gesundheit'und 'seelischer Krankheit' sprechen" usw., die Kreativleitung hatte sie an Trockenheit überboten, indem sie von "Volkes Recht und Volksgesundheit" geplappert hatte, während Mo unbeteiligt vor sich hin summte, und schließlich hatte die Chefin gesagt, die EinSatzLeitung kann ja auch verdeckt und im Archiv weiter daran arbeiten, wir müssen doch bekanntgeben, dass wir einen neuen Blog machen, in dem wir, wie es die Konservativen derer Skribenten und Kritikaster schon so lange fordern, selbst nicht mehr vorkommen, wohl aber weiter unsere Arbeit tun usw., und die Kreativleitung hatte gesagt, anzuknüpfen ist freilich noch an die Marquise von B., wie es sich gehoert, auf einer allerletzten B-Ebene.

Freitag, 3. Juni 2011

1421.

Der letzte macht das Licht aus, murmelte Karomütze vor sich hin; dabei wischte er sich den Schweiß aus den Locken, denn die Juninacht war warm, und der Traum von einem brandneuen grünen Alfa Romeo, den er auf dem Dienstweg, äh, dem Weg zum Dienst, nein, dem Weg zum EinSatz, Mann, gesehen hatte, erhitzte ihn von innen, das war natürlich auch nicht ganz richtig, aber jedenfalls schwitzte er also und dachte wieder an das sensationelle Fahrzeug und fand, je näher er der spitzschnabeligen Schnauze seines alten Dienstwagens kam, das altmodische Schlüsselbund, das er mit sich herumzuschleppen hatte, immer unpraktischer.

Donnerstag, 2. Juni 2011

1420.

So, und, wird sie jetzt endlich geliefert, die großartige Idee, motzte der schon etwas angetüterte Abgesandte der Verwertungsgemeinschaft, und trat ein paar mal gegen die Tür, aber da war niemand.

Mittwoch, 1. Juni 2011

1419.

Die Minderheitlerin mit der ewigen blauen Bluse und den ewig rotgeränderten Augen war außerordentlich heiter gestimmt, als sie zur Nachtschicht eintraf, und sagte, heute wollen wir mal so richtig in die Welt gucken: http://www.zeit.de/2011/22/Ideen-Winklevoss/seite-2.

Montag, 30. Mai 2011

1418.

Wiederholungskrämpfe, du liebe Güte, sagte der Kwaliteitswart, und rief Karomütze an, denn er dachte, eine kleine Poldertour würde ihm gut tun.

Sonntag, 29. Mai 2011

1417.

Die Kreativleitung hatte sich in Absprache mit der Chefin das Schreiben verboten, führte nur ein paar Abwehrgefechte on behalf of Dame Oe, die von irgendwelchen Idioten aus der Ecke des ehemaligen Projektentwicklers immer noch angeschossen wurde, weil sie dafür zuständig sei, seine Altersversorgung zu sichern, als hätte er nicht längst alles an sich gebracht, was sie jemals aus ihrem Leben noch hätte machen koennen, als hätte er nicht längst in einer Hatz, die ihresgleichen suchte, ihr das Leben zu einer Bitternis reduziert, angesichts derer anderen mehr als die eine erhobene Braue versteinert wäre, als hätte man nicht längst einen gewaltigen Bruch mit der gesamten Mitmacherbande und einen spektakulären Abgang inszenieren müssen, um sowas angemessen zu beantworten, sagte die Kreativleitung, als sie mit Dame Oe und der Gattin des ehemaligen Chefs in der Hollywoodschaukel saß, nicht einmal von Mo begleitet, denn diese trieb sich, da keine Zettel mehr gebraucht wurden, nur noch mit dem erzählenden Kranich in der Wildnis herum, während der klitzekleine Forschungsminister vom naseweisen Sinologen das Blähen lernte.

Samstag, 28. Mai 2011

1416.

Wir sind die family, ey, sagte der Kumpel von Karomütze zu seinem Kumpel, aber es klang nicht amüsiert, und auch Karo war ziemlich bedrückt, das kannst du doch nicht schreiben, sagte er der Kreativleitung, und sie sagte, vielleicht hast du recht, aber hätte ich es denn übergehen sollen?

Freitag, 27. Mai 2011

1415.

Du fängst jetzt nicht wieder mit diesen alten Filmen an, oder, sagte die allgemeinste Verteidigung entnervten Gesichts, als sie, nachdem sie das Kleinchen zu Bett gebracht hatte, auf dem nur leicht schunkelnden Hausboot den Kwaliteitswart vor dem Schirm auf "Scarlet Pimpernelle" glotzen sah, aber es war zu spät: der hatte sich voellig eingesponnen in seine herrliche Filmwelt, der klappte erst das eine und dann das andere Bein über das je andere oder so und lullte sich richtig ein in die Phantasie des Helden, der nie sicher ist, ob seine Frau ihn auch liebt, und die praktische Verteidigung konnte solange sehen, wo sie blieb, so'n Mist, sagte die, und lachte.

Donnerstag, 26. Mai 2011

1414.

Wenn sie gar zu unverschämt schoen werden, kannst du nur hoffen, dass sie auch damit fertig werden, sagte die Chefin, als das Kind wieder gegangen war, und sie schickte einen Gruß hinterher, nicht zum Klagen, sondern mehr so als Schutz: http://www.youtube.com/watch?v=16AnGcB7MHA

Mittwoch, 25. Mai 2011

1413.

Es ist alles gesagt, sagte der Buchhalter, und schloss die Tür; dabei dachte er an seine Märklin-Eisenbahn und daran, dass morgen oder übermorgen, je nachdem, wann die Trantüte Kreativleitung mal wieder einen Satz zu setzen gedachte, unweigerlich der Tag der Lok 1414 sein würde, die, wie er sich innerlich vor sprach, auf Urlaub ging, ach Kindertage…

Montag, 23. Mai 2011

1412.

Ein vollkommen schockierendes Ereignis ereignete sich, als Karomütze am Grillplatz in Begleitung einer jungen Dame auftauchte, welche ein über und über kariertes Kleid am Leibe trug und dann nicht etwa mit eigenem Namen vorgestellt wurde, sondern als die - man hoere und erschrecke - Ex des sozialen Tugendwartes!

1411.

Da war ein Zählproblem zu beheben, es dauerte den ganzen Tag, stoehnte der Buchhalter, dem schwindelig war.

Sonntag, 22. Mai 2011

1410.

Pfffft, machte Karo, und seine Lippen bewegten sich von Schlitzmund zu Spitzmund und zurück, als er sah, wie in der NachrichtenMitHintergrundSendung die Luft aus einem Globus zischte, soll das jetzt für mich eine Steilvorlage sein oder was, dann zischte er vor Wut noch einmal nach und kniff sich in sein Ohrläppchen.

Freitag, 20. Mai 2011

1409.

Der regennasse Asphalt dünstete etwas nach - auch am Übergang von der Revaler Straße zur Modersohnbrücke, auf der Karomütze stand, weil Mr. Precuneus ihm einen Hinweis gegeben hatte.

1408.

In der Fabriciusstraße roch es nach verbranntem Gummi, als der naseweise Sinologe die klammen Stiegen zu seiner Wohnung erklomm, und er fragte sich, wie er unter solchen Umständen würde lüften koennen.

Mittwoch, 18. Mai 2011

1407.

Der soziale Tugendwart wollte bei der Entscheidung unbedingt mitsprechen.

Dienstag, 17. Mai 2011

1406.

Dann schrieben sie tatsächlich eine Stelle aus für den Verkauf - aber sie schrieben sie Dame Oe gleichsam auf den Leib und keiner wusste so genau, wieso sie das taten.

Montag, 16. Mai 2011

1405. B

Jemand hatte im Teppich geglaubt, sich selbst zu erkennen, und er zitterte gar sehr, dass etwas Unerfreuliches über ihn bekannt werden koennte, was unbedingt und durchaus zu verhindern wäre, seiner Meinung nach. An Hebeln, die er in Bewegung glaubte setzen zu dürfen, fehlte es ihm nicht, und in inniger Zusammenarbeit mit den Welten der Pest- und Brachvoegel sowie unter Herbeiziehung des Milchzaren aus Nieder- oder Obersachsen und anderen Kräften war es ihm gelungen, die Kreativabteilung der EinSatzLeitung ebenso lahmzulegen wie die nicht übermäßig entwickelte Verkaufsabteilung, für die sich eh niemand so richtig zuständig fühlte. Zwar hatten Karomütze, Mr. Precuneus und andere in unermüdlichem EinSatz vieles unternommen, um den Karren wieder flott zu kriegen, aber dann kamen ausgerechnet die Helfer auf die verrückte Idee, der ohnehin schon poroes gewordenen Kreativabteilung einmal recht gründlich auf den Zahn zu fühlen, aufs Maul zu schauen oder in die Stube zu lauschen. Zwar wurde das Gebäude gesichert, aber schließlich lebte man in guter Nachbarschaft zu seinen Nachbarn, und wer würde wohl sich weigern, ein Paket für den Nachbarn entgegenzunehmen, wer auf ein Mo hoeren, welches behauptete, es ticke in diesem Päckchen und vermutlich sitze irgendein winziger Pianist da drinnen. Zwar glaubte immerhin die Kreativleitung dem kleinen Mo sofort, aber anstatt sich nun, wie es Karomütze, wäre er nicht mal wieder in den Poldern unterwegs gewesen, ohne Zweifel geraten haben würde, mucksmäuschenstill zu verhalten und von den üblichen Selbstgesprächen zur Bewusstseinsklärung in den Schreibprozessen abzusehen, hatte sie eine ihrer unbeschreiblich unklugen Ideen. "Wenn wirklich ein kleiner Pianist in dem Päckchen sitzt und uns belauschen will," flüsterte sie Mo zu und machte dabei ein abenteuerlustiges Gesicht, "dann werden wir ihm jetzt mal erzählen, was wir von ihm und der Welt und solchen Methoden halten, meinst du nicht?" Mo fand die Idee ausgezeichnet, denn irgendwie hatte sie das immer schon mal machen wollen, nur waren die Gelegenheiten so rar so rar, und schließlich war es ihr immer lieber, die ganze Sache mal zu vergessen, nun sie sich aber an ihr Bewusstsein getickt hatte und anscheinend zum Wiedererwachen der Lebenskräfte gehoerte, war es doch nur recht, ein wenig vor sich und dem vermeintlichen Pianistenpäckchen auszupacken, was sie so empfand. Die Kreativleitung ermunterte sie - und so plapperten sie in einem Fort um das Päckchen herum, nicht bedenkend, dass sie damit bei ihren Freunden (tatsächlich steckten der erzählende Kranich und der kleine Brachvogel mit unter der Decke derjenigen, die mal ein Ohr in die Kreativabteilung hatten schmuggeln wollen, natürlich nur in der hochedlen Absicht, Argumente gegen die Denunzianten zu sammeln) mittlere Erdbeben und ein für sie nicht sehr günstiges Entsetzen ausloesen würden. Tja, und so kam es, dass die EinSatzLeitung am Wochenende geschlossen blieb, denn alle waren unterwegs, um hier und da ein Feuerchen zu loeschen, hier und da Gesicht zu zeigen und EinSätze zu sagen und freundlich lächelnd zu ertragen, wie merkwürdig sich mancher benahm, und dass es anderen tatsächlich gelang, ploetzlich gar nicht mehr so merkwürdig zu sein. "Wie mans macht, macht mans verkehrt," seufzte der kleine Brachvogel, wir haben es doch wirklich gut gemeint. "Ist ja schon gut," sagte das kleine Mo, "wir sind ja schon froh, wenn man uns nicht boeser Absichten beschuldigt, und dürften wir jetzt bitte den Teppich verkaufen, es ist doch ein wirklich schoener Teppich, und übrigens sind wir auch sonst sehr nett."

1405.

Niemand fragte, warum die EinSatzLeitung das ganze Wochenende geschwiegen hatte, denn der Vorfall war allen EinSatzKräften bekannt geworden und wird im folgenden wieder einmal auf einer B-Ebene mitgeteilt.

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